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Full text of "Drei Aufsätze über den inneren Konflikt"

Einzelpreis M. 4.80 Vorzugspreis M. 3.60 

ABHANDLUNGEN 

AUS DEM GEBIETE DER 

SEXUALFORSCHUNG 

Herausgegeben im Auftrage der 

Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung von 

Prof. Dr. BROMAN (Lund) - Prof. Dr. M. DESSOIR (Berlin) - Wirkl. Geheimrat Prof. 
Dr. ERB (Heidelberg) - Prof. Dr. P. FAHLBECK (Lund) - Prof. Dr. HEYMANS (Groningen) - 
Minister a. D. Dr. VAN HOUTEN (Haog) - Geh. Med.-Rat Prof. Dr. JADASSOHN (Breslau) - 
Hofrat Prof. Dr. L. v. LIEBERMANN (Budapest) - Geh. Hofrat Prof. Dr. K. v. LILIENTHAL 
(Heidelberg) - Dr. MAX MARCUSE (Berlin) - Geh. Justizrot Prof. Dr. W. MITTERMAIER 
(Gießen) - Geh. Sanitätsrat Dr. ALBERT MOLL (Berlin) - Prof. Dr. W. NEF (St. GaUen) - 
Geheimrat Prof. Dr. SEEBERG (Berlin) - Geh. Med.-Rat Prof. Dr. SELLHEIM (Halle) - Prof. 
Dr. STEINACH (Wien) - Prof. Dr. S. R. STEINMETZ (Amsterdam) - Prof. Dr. J. TANDLER 
(Wien) - Prof. Dr. A. VIERKANDT (Berlin) - Prof. Dr. L. v. WIESE (Cöln) . 

Redigiert von Dr. MAX MARCUSE, Berlin 
Band II Jahrgang 1919/20 Heft 3 

Drei Aufsätze über den inneren Konflikt 



von 



Dr, Otto Groß 




Testogan 
Thelygan 



für Männer. 



für Frauen. 



Seit 6 Jahren bewährte Spezifika auf organ-chemo-thera- 
peutischer Grundlage nach Dr. Iwan Bloch 

bei sexueller Dy shormonie und Insuffizienz 

vorzeitigen Alterserscheinungen, Stoffwechselstörungen, Herz- 
neurosen, Neurasthenie, Depressionszustände. 

Enthalten die Sexualhormone 

d. h. die Hormone der Keimdrüsen und der Drüsen mit 
Innensekretion. 



Spezielle Indikationen 
für Testogan. 

Sexueller Infantilismus und Eiuiu- 
choidismus des Mannes. Männliche 
Impotenz und Sexualschwädie im 
engeren Sinne des Wortes. Climac- 
teriuni virile. Neurasthenie. Hypo- 
chondrie, Prostatitis. Asthma sexu- 
ale, periodische Migräne. 



Spezielle Indikationen 
für Thelygan. 

infantilistische Sterilität. Kleinheit 
der Manmiae usw. Sexuelle Frigi- 
dität der Frau. Sexuelle Störungen 
bei Fettsucht und anderen Stoff- 
wechselkrankheiten. Klimakterische 
Beschwerden, Amenorrh oe. 
Asthenie, Neurasthenie, 
Hypochondrie, Dysmenorrhoe. 



Ordinationen: 



Dreimal täglich eine Tablette nach dem Essen, und 
event. gleichzeitig täglich bzw. jeden zweiten Tag eine 
intraglutäale Injektion, oder täglich ein Suppositorium. 



Berlin W 35, Dr. Georg Henning. 

Proben zu Arztcproisen durch nachstehende Berliner Apotheken: 
Kurfürsten • Apotheke, Schweizer Apotheke, Kronen -Apotheke, Einhorn- 
Apotheke, Germania -Apotheke, Apotheke zum weißen Schwan und die 
Ludwigs -Apotheke in München. 




Drei Aufsätze 

über den 

inneren Konflikt 



Von 



Dr. Otto Groß 



oA 




-^2^4 



'J-Ek-^- 



BONN 1920 
A. Marcus & E. Webers Verlag (Dr. jur. Albert Ahn) 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 




^ 



Nachdruck verboten. 

Alle Rechte, besonders das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. 

Copyright 1920 by A. Marcus & E. Webers Verlag in^Bonn. 



Druck: Otto Wigand'sche Buchdruckerei G.m.b.H., Leipzig. 



über Konflikt und Beziehung. 

Die neue Denkweise in der Psychopathologie führt Seelenstörun- 
geu auf inhaltlich bestimmte Grrundbedingungen zurück; sie 
ruht auf derj Kenntnis der typischen Ausgangslage für schädigende 
Konstellationen der psychischen Inhalte, des Aufeinander- 
treffens von unvereinbaren Impulsen. Der Ursprung 
dieses Wissens war die Entdeckung C. Werniekes von der Be- 
dingtheit affektiver Überwertigkeiten durch das Bestehen von u n - 
lösbaren i nneren Konflikten. 

Die eigentliche moderne Psychologie, die Lehre S. F r e u d s vom 
Unbewußten, steht auf der Kenntnis der Veränderung im Ineinander- 
greifen der Funktionen, der Spaltung der B e wüßt s eins - 
einheitdurchdeninnerenKonflikt. Sie rechnet mit der 
Ablösung unbewußter Komplexe, der „Verdrän-, 
gung" als Folge jeder Unvereinbarkeit von unauf- 
gebbaren Impulsen mit der Ges am t ein s t eUung der 
Persönlichkeit, v' 

Die ungeheure, von Freud entdeckte Bedeutung des Sexu- 
ell e n für das unbewußte Seelenleben ist auf die Tatsache zurück- 
zuführen, daß hier der Widerstreit von unzerstörbarem 
eigenen Wollen und übermächtigen Suggestionen 
— der Summe der bestehenden Moralprinzipien und Institutionen 
auf dem Gebiete der Sexualität — mit absoluter Unausbleiblichkeit 
den unlösbaren inneren Konflikt erzeugt. Der sexuelle Grund- 
eharakter der Neurose liegt n i c h t im eigentlichen — am wenigsten 
im angeborenen — Wesen der Sexualität, sondern in der Tatsache, 
daß das Gebiet der Sexualität von äußeren Faktoren zum 
eigentlichen Gebiet des hoffnungslosen inneren Kampfes gemacht 
wird. 

Freud hat die Ansicht ausgesprochen, die ursprüngliche sexu- 
elle Anlage des Menschen und die erste Sexualität des Kindes sei 
„allsexuell". Sie enthalte die Summe aller überhaupt existierenden 
Perversionen in sich. Die „nonnale" Richtung der Sexualität ent- 
stehe nach und nach durch Eindämmungsarbeit, durch Verdrängung 
d^er perversen Teilkomponenten, und diese Verdrängung wäre nach 
Freud im letzten Grund ein Resultat der Erziehung, ein Macht- 
effekt der allgemeinen Anschauung, eine Anpassungsleistung — also 
ein Endprodukt alles dessen, was ich die „Summe aller Sug- 
gestionen" genannt habe. 

Die Tatsachen, auf welche Freud diese Meinung stützt, soweit 
sie das Bestehen aller möglichen Perversionen in der Kindheit und 




im Unbewußten jedes Einzelnen erweisen, sind einwandfrei. Allein 
die prinzipiellen Annahmen Freuds über das Wesen der sexuellen 
Anlage, über die Art der angeborenen Sexualität, sind davon 
streng zu scheiden und ich bekenne, daß ich mich in diesem Punkt 
im Gegensatz zur Meinung des großen Meisters befinde. 

Ich definiere Perversion als Übertragung sexu- 
eller Trieb energie auf etwas seinem Wesen nach 
nicht sexuelles, und nehme an, daß jede wirkliche Perversion, 
wie im letzten Grunde jede seelische Störung überhaupt, auf un- 
günstige Einwirkung von außen her, auf eine den angeborenen 
Anlagen, dem angeborenen Artcharakter und der Individualität 
entgegenstrebende Fremdeinwirkung, zurückgeht. Die Summe 
aller Perversionen, die allerdings in der Seele des Kindes, und zwar 
ausnahmslos jedes Kindes, und ebenso im Unbewußten jedes Men- 
schen überhaupt sich haben nachweisen lassen, ist meiner Meinung 
nach die Folge der auf jedes Kind und jeden Menschen überhaupt 
einwirkenden, im großen ganzen gleichgerichteten Schädlichkeiten, 
der universell umgebenden, naturwidrigen Familien- und Milieu- 
suggestion. Ich schicke dies hier als Behauptung voraus und werde 
später genauer auf diese Dinge zurückkommen. 

Ich erinnere an die Definition, die ich ') vom inneren Kon- 
flikt an sich gegeben habe: es ist der Kampf des Eigenen 
undFremdeninuns. — 

Vor dem Versuch eines näheren Eingehens auf diese Definition 
ist eine Überlegung einzuschalten. Sie bezieht sich auf die Lehre 
Alfred Adlers und auf den Gegensatz zwischen den beiden 
großen psychanalytischen Schulen, zwischen Adler und Freud, 
ein Gegensatz, der meiner Meinung im letzten Grund nur ein 
scheinbarer ist und einer gegenseitigen Ergänzung, einer Kom- 
bination von beiden Eichtungen zu einem Ausbau der Erkenntnis 
vom inneren Konflikt Platz machen könnte. 

Adlers Lehre geht letzten Grundes auf eine psychanalytische 
Vertiefung von Nietzsches Idee vom „Willen zur Macht" zurück. 
Nach A d 1 e r ist es das treibende Prinzip des Individuums, sein Ich 
um jeden Preis, mit jedem Mittel zur Geltung zu bringen und — dies 
ist das geniale Neue in seiner Lehre — vomUnbewußtenher- 
aus zu protestieren gegen die Unterdrückung von 
a u ß e n h e r. Nach A d 1 e r ist das sexuelle Moment in der Psycho- 
neurose selbst nur Symbolik, symbolischer Ausdruck für jene 
revolutionäre, aber auch vergewaltigende Tendenz. 
Was Adler vor allem über den inneren Widerstand der Frau 
gegen die ihrem Geschlecht widerfahrende Unterdrückung und über 
die psychologischen und psychopathischen Ausdrucksformen dieses 
Widerstandes gelehrt hat, das gehört zum Tiefsten, das ein Forscher 
erfassen konnte. 

Ich selber halte nun den „Willen zur Macht', d. h. den 
„Ichtrieb" in seiner Gestalt als vergewaltigende Tendenz für 
ein sekundäres, im letzten Sinn bereits pathologisches Phänomen, 
für die durch ewige Unterdrückung verbildete und zugleich hyper- 

*■) über psychopathische Minderwertigkeiten. 



über Konflikt und Beziehung 



trophierte Form jenes urspriing'licben Triebes, den ich als „Trieb 
zur Erhaltung der eigenen Individualität in der ihr eigenen, ange- 
legten Wesensart" bezeichnet habe. Ich nenne diesen Trieb in seiner 
ursprünglichen, also nicht durch Widerstand und Überkom- 
pensation veränderten Form, in der er also noch nicht auf Ver- 
gewaltigung anderer gerichtet ist, das „revolutionäre 
Moment" im psychologischen Sinne. 

Ich kann es nun ausschließlich bei einem inneren Konflikt 
zwischen einander entgegengeriehteten, koesistenten Trieben für 
möglich halten, daß ein Trieb der Verdrängung unterliegt und da- 
durch aus dem Unbewußten heraus symbolische Äußerungen findet, 
d. h. also, pathologische Symptome schafft. Nur durch die An- 
nahme eines inneren Konfliktes scheint mir die 
Tatsache der Hy pertr ophierung eines Triebes ver- 
ständlichzu werden.. Und eine solche Hypertrophierung stellt 
doch der Wille zur Macht, der vergewaltigende „Ich- 
trieb" im Sinne Adlers, dem ursprünglich en Selbstschutz- 
instinkte gegenüber dar, den ich als „revolutionäres Mo- 
ment" bezeichnet habe. 

, Mit anderen Worten: der „Ich trieb" im Adler sehen 
Sinne, der „Wille zur Macht" in seiner ungeheuren, 
von Adler richtig erkannten psychologischen Be- 
deutung ist nur verständlieh als eine Komponente 
eines antagonistißchenKräftepaares. Und so erscheint 
die Synthese der Adl ersehen mit der Freud sehen Anschau- 
ung möglich und geboten, denn die andere Komponentedes 
Triebkräftepaares identifiziert sich von selbst mit 
der Sexualität im Sinne Freuds. 

Wir hätten also die beiden, einander entgegengerichteten 
Triebe, den Ichtrieb und die Sexualität, und zwischen 
diesen beiden wäre der krankmachende innere Konflikt. 

Es ist aber nicht möglich, anzunehmen, daß in der ur- 
sprünglichen Anlage, artgemäß prädisponiert, 
zwei Triebe angelegt sein könnten, denen natur- 
gemäße Bestimmung es wäre, miteinander in einen 
unlösbaren, krankmachenden Konflikt zu geraten. 
Wir müssen hier annehmen, daß durch allgemeinwirkende äußere 
Schädlichkeiten der ursprüngliche Charakter der an- 
gelegten Triebe verändert wird, daß sie durch „Triebverschrän- 
kung" ■ — nach Adlers klassischem Ausdruck — mit reaktiven 
Impulsen des Individuums in unbewußte, immer fester werdende 
Verbindungen geraten, daß sie durch diese „Verschränkungen", ich 
ntöehte sagen, mit Verzweiflungsreaktionen des Individuums ent- 
arten, daß sie durch Kämpfe mit der Außenwelt und endlich mit- 
einander hypertrophieren, so immer mehr konflikterregend werden 
und endlieh Ausgangspunkte neurotischer Symptome sind. 

Es steht also das Problem: Wodurch geschieht es, daß 
die angelegten großen, in ihrem ursprünglichen 
Charakter. doch notwendigerweise harmonisch ko- 
ordinierten Triebe zu den beiden antagonistischen 
Trieb komponenten werden, die nun als „W i 1 1 e zur 



— ,.>^ 



6 



Otto Groß 



Macht", als krankhafter lehtrieb im Sinne Adlers 
einerseits und als „al Is exuell" gewordene , alle 
Per Versionen umfassende, verdräng ungsbediirf- 
tige und Psychoneurosen erzeugende Sexualität im 
Sinne Freuds anderseits vor Augen stehen? 

Mit anderen Worten: Ich gab vorhin die Definition — die ich 
vorläufig als Behauptung hingestellt lasse — : der eigentlich 
krankmachende Konflikt ist der Konflikt des 
Eigenen und Fremden in uns. Dann, beim Versuch 
der Synthese der Ad Ter sehen und Freudschen Lehren hatten 
wir gefunden : der prinzipielle innere Konflikt ist 
der des Ichtriebs und der Sexualität. Wenn beide An- 
nahmen richtig sind, so ergibt sich daraus: die zweitgenannte 
Form ist das Resultat von Veränderungen, welche 
der ursprüngliche Zustand ders Seelenlebens und 
sein ursprünglichster innerer Konflikt — der zwi- 
schen Eigenem u n d F r e m d e m — im W i d e r s p i e 1 von 
Anpassung und Widerstand, durch „Triebverschrän- 
kunge n"undliy per trophierung de rTriebeim gegen- 
seitigen Kampf erlitten haben. Es bleibt das Problem : 
Durch welche Einflüsse und nach welchen Mechanismen geht diese 
Veränderung vor sich? 

Vor der ursprünglichen, artgemäß angelegten Sexualität 
können wir zusammenfassend wohl nur das eine sagen : die Sexu- 
alität als angelegter Triebund also auch die ur- 
sprüngliche Sexualität des Kindes ist Trieb nach 
Kontakt, im physischen und psychischen Sinne. 

Der Trieb nach der Erhaltung der eigenen Indi- 
vidualität, wie ich ihn nenne, ist der Verteidi- 
gungsinstinkt ziim Schutze aller angelegten 
Wesensart mit ihren angeborenen Trieben, mit Ein- 
schluß natürlich der Sexualität in ihrer Individua- 
lität s g e m ä ß e n Art. 

Es ist selbstverständlich, daß diese beiden Triebe mit- 
einander zunächst harmonisch koordiniert sein 
müssen — wie alle ursprünglichen Triebe und Anlagen überhaupt. 

Nun wirkt der Druck der Umgebung auf das Kind als Zwang 
zur Anpassung, d. h. als Unterdi'ückungstendenz dem Instinktleben 
gegenüber. Die Umgebung versagt dem Kinde den Kontakt im 
physisch-sexuellen Sinne überhaupt gänzlich, im psychischen 
bindet sie die Aussicht auf Kontakt — • der durch das 
verschwindend geringe psychologische Verständnis des Erwachsenen 
für das Kind schon auf ein Minimum und .fast auf Surrogate be- 
schränkt ist — an die Bedingung der Anpassung, des 
Verzichtes auf individualitätsgemäßes Sein. 

Es ist dies jenes Geschehen, das ich als die ,,Ver ein samung 
des Kindes" durch die bestehenden Milieuverhältnisse bezeich- 
net habe"). 



^) über Destruktionssymbolik. 




über Konflikt und Beziehung 



Ich seile in der Einsamkeit, in die das Kind ver- 
setzt wird, den e igentliehen Ursprung aller neuro- 
tischen Angst und damit jenes eigentümlich angstvollen, ver- 
zweiMt-rücksichtslosen Charakters, der allen aus dem Unbewußten 
hervorbrechenden Impulsen ein so spezifisches Gepräge verleiht. 

Der erste dem Kinde notwendig gewordene innere Konflikt, der 
Konflikt des Eigenen mit dem eindringenden Fremden, verliert also 
seine Eeinheit eigentlich schon von Anfang her durch eine Trieb- 
verschränkung, die Einen von den eigenen Instinkten, 
die Sexualität, mit einer Anpasstingstendenz au 
Andere, d. h. mit einer Bereitschaft zur Aufna,hme 
von Fremdsuggestionen ztisammenbindet. Der see- 
lische Selbsterhaltungsinstinkt hat fortan zu 
kämpfen nicht nur gegen die Suggestionen von 
außen her, sondern auch gegen die eigene Sexuali- 
tät als solche, welche die affektive Energie für die 
suggeriertenlnhaltezustellenbegonnenhat. 

Und damit hat der eigentliche antisexuelle „Protest" im Sinne 
Adlers eingesetzt. Es ist seinem Wesen nach auf Isolierung 
gerichtet. Der „Ich trieb" als anti sexuell er Protest ist 
jetzt der Instinkt der Selbsterhaltung um jeden 
Preis, er zielt auf die Erhaltung der großen Ein- 
samkeit um Einen herum durch eigene Kraft. 

Erklärlich ist die Existenz und die Entwicklungsrichtung dieses 
Triebes allein durch seinen nie aufhörenden Antagonismus 
mit einem gleichstarken, immerwirkenden, ent- 
gegengerichteten Triebe, den mit der Sexualität als 
Kontaktbedürfnis um jeden Preis, welche den Trieb 
d^r Anpassung, der Hingabe des eigenen Ich an 
andere, der Selbst auf gab e in sich aufgenommen hat. 

Damit, daß die infantile Sexualität den Impuls zur 
Hingabe des eigenen Ich an Andere, der Unterwerfung 
zwecks Vermeidung der Vereinsamung in sich auf- 
genommen hat, ist ihr das masochis tische Moment zu eigen 
geworden. Wir können sagen, der Masochismus ist der Versuch des 
Kindes, sich mit der ihm gegebenen passiven Situation zu identifi- 
zieren und so durch Unterwerfung einen gewissen Kontakt mit der 
Umgebung zu erlangen. Das treibende Motiv im Maso- 
chismus ist die Angst vor der Einsamkeit, Angst vor 
der Einsamkeit ist aber ein Motiv, das auch das ganze Leben hin- 
durch zur Geltung kommen muß. In den bestehenden Verhältnissen 
ist die Art der gegenseitigen Beziehungen der Menschen zueinan- 
der — die inneren Gründe für diese Beziehungen sind auch Gegen- 
stand unserer Problemstellung hier — in so hohem Grade korrum- 
piert, daß die Alternative z.wi sehen Einsambleiben 
und sich vergewaltigen lassen wohl jedem und immer 
in seinem ganzen Leben entgegensteht. Die infantile Tendenz, durch 
Unterwerfung Anschluß zu erreichen, wird damit dauernd erhalten. 
Nun haben wir früher gesagt, die masochistische Tendenz ist ein 
Sichabflnden-woUen und eine Bejahung der infantilen Situation dem 
Erwachsenen gegenüber. Zwar ist ein Mensch wohl selten im spä- 



8 



Otto Groß 



teren Leben in Wirklichkeit so einsam, wie er als Kind gewesen ist, 
aber ein Kind hat wenigstens noch die Hoffnung auf eine Er- 
leichterung dieser Einsamkeit um den Preis der Unterwerfung. 
Durch eine unbewußte Erinnerung an diese Hoffnung fixiert sieh 
eine Sehnsucht und Tendenz ins Infantile zurück durchs Leben hin- 
diTrch. Wir können also den Masochismus auch defi- 
nieren als das Bestreben zur Wiederherstellung 
der infantilen Situation den Erwachsenen gegen- 
über. 

Wir können annehmen, daß der Masochismus ur- 
sprünglich und vielleicht wirklich während einer 

.bestimmten, einen Zeitabschnitt ausfüllenden Pe- 
riode, mit der Sexualität als solchen, als dem Kon- 
taktbedürfnis um jeden Preis, zu einer Einheit zu- 
sammenschmilzt. Demgegenüber stellt der Selbsterhaltungs- 
trieb der Persönlichkeit, als antagonistische Komponente, zunächst 
den antisexuellen Protest als solchen dar. Allein es kommt wohl 
sehr bald schon dazu, daß die infantile Tendenz, durch 
Unterwerfung zum Kontakt mit den Anderen zu 
kommen, auch rein dem sexuellen Bedürfnis gegenüber als 

. unzureichend empfunden wird. Die Angst der Einsam- 
keit, die sexuelle Isolierung selbst muß auch die Tendenz entsprin- 
gen lassen, den sexuellen Kontakt, wenn auch nur in' grobphysischer 
Form, und doch auch irgendeine surrogative Art von seelischer 
Beziehung, wenn möglich, erzwingen zu wollen. Das Kind 
hat die verzweifelte Sehnsucht, erwachsen zu sein: dies Er- 
wachsen seinwollen ist seinem Wesen nach, in ge- 
nauem Gegensatz zur Lage der Dinge beim Maso- 
chismus, ein souveräner Inhalt der Selbsterhal- 
tung stendenz. 

Erwaehsensein und überhaupt stark sein bedeutet aber 
auch eine Aussicht auf Erfüllung des Wunsches, sich Sexuali- 
tät erzwingen zu können. So kommt es zu einem Kom- 
promiß zwischen der Sexualität und der Selbst- 
erhaltungstendenz in ihrer hypertrophischen 
Form, zu einer Triebverschränkung von Sexuali- 
tät und Willen zur Macht. Gerade der seelische Zustand des 
Kindes, die Einsamkeitsangst und das Ohnmachtsgefühl, die seinem 
Unbewußten einen der Angst naheverbundenen Gehalt von Haß 
und Rache verleihen, führen zu den oft so gewaltsamen und 
grauenhaften Charakterzügen der Vergewaltigungstendenz. Das 
Verbindungsresultat der Sexualität mit dem Wil- 
len zur Macht, in seinem Wesen ein Kompromiß- 
gebilde aus Angst vor der Einsamkeit und Willen 
zur Erhaltung der Einsamkeit, ist die sadistische 
Triebkomponente. 

Wir können also sagen: Es wird durch äußeren Druck, durch 
die das Kind umgebende Alternative zwischen Selbsthingabe und 
Einsamkeit in jedem Menschen ein masochistisches 
Moment geschaffen als Ausdruck der Unüberwind- 
lichkeit des Bedürfnisses nach Kontakt. Demgegen- 



über Konflikt und Beziehung 



Über bildet sich der „antisexuelle Protest" als kompensierende 
Hypertroptiierung des seelischen Selbsterhaltungstriebes. Nunmehr 
aber kommt es zu einem Kompromiß zwischen diesem auf 
Erhaltung der Einsamkeit gerichteten Triebe mit 
der Sexualität-, mit anderen Worten: es bildet sich auch eine 
sexuelle- Teilkomponente heraus, in welcher die Erhaltung der 
eigenen Isolierung zugleich mit sexuellem Sichauslebenwollen 
zustande kommt. Es wird der hypertrophische Ichtrieb in seinem 
Wesen als Abwehr des Kontaktes und Durchsetzen des eigenen 
Ich dem Andern gegenüber, also „d e r W i 1 1 e zur M a c h t" z u 
einem sexuellen Ausdruck gebracht. Dies aber ist, 
das Wort in seinem weitesten Sinne genommen, 
das Wesen des Sadismus. Es bildet sich also auch in 
jedem Menschen ein sadistisches Moment als Aus- 
druck der Unüberwindbarkeit des seelischen 
Selbsterhaltungstriebes. So wird der große innere 
Konflikt, ursprünglich der Konflikt zwischen dem 
Eigenen und Fremden, dann als K onflik t zwischen der 
SexualitätunddemlchtriebjZwischenHingebungs- 
tendenzund Willen zur Macht, zuletzt als G anzes in 
das Gebiet des Sexuellen hineingezogen und fixiert 
sich als Konflikt zwischen zwei antagonistischen 
Triebkomponenten sexueller Natur, zwischen dem 
masochistischen und sadistischen Moment. 

Auf den Konflikt in dieser letzten Form geht 
weiterhin alle innere Zerrissenheit des Indivi- 
duums zurück und alles ewige Mißlingen in den 
Beziehungen der Individuen zueinander. In der 
sadistisch- masochistischen Verbildung der großen 
Triebe beruht die Pathologie der Beziehung. — 

Ich gab vorhin die Definitionen: Die Sexualität in ihrer 
ursprünglichen Form ist das Bedürfnis nach Kon- 
takt mit den Anderen, im physischen und psychi- 
schen Sinne. Und: Jede Perversion ist Übertragung 
sexueller Energie auf ursprünglich Nichtsexu- 
elles. 

Ich habe mich ferner gegen die Auffassung Freuds von der 
Allsexualität, die alle Perversionen vom Ursprung her mit um- 
fasse, gewendet. Es scheint nun ein Widerspruch zwischen dieser 
meiner Meinung und meiner eigenen Definition. Denn dieser letz- 
ten nach umfaßt die ursprüngliche Sexualität die 
homosexuelle Komponente in sich. 

Es fragt sich nun, inwieweit diese homosexuelle 
Komponente tatsächlich eine Perversion bedeutet. 
Nach der gegebenen Definition müssen wir die Frage stellen, inwie- 
weit die Richtung der homosexuellen Komponente tatsächlich in 
das Gebiet der durch ursprüngliche Anlage umgrenzten, eigentlich 
sexuellen Inhalte fällt. Ob etwas durch Anlage vorgebil- 
det sein kann, entscheidet sich durch das Bestehen 
oder Fehlen einer biologischen Zweckmäßigkeit. 



10 • ^ Otto Groß 



pies Problem ergibt sich also, inwieweit in der homo- 
sexuellen Triebkomponente eine artgemäße Zweck- 
mäßigkeit, ein — Sit venia verbo — teleologisches 
Moment gelegen ist. 

Ich glaube, der angeborenen, also „normalen" 
Sexualität ist eine homos exuelle Koniponent e an- 
geschlossen und es ist deren Funktion, die Ein- 
fühlung in die sexuelle Einstellung des anderen 
Geschlechtes zu ermöglichen. Denn Einfühlen kann man 
sich nur in das, was man innerlich miterlebt, und das bedeutet im 
Falle der Einfühlung in sexuelle Empfindungen des anderen Ge- 
schlechtes, in sich selbst ein homosexuelles Partialmotiv 
zur Geltung kommen zu lassen. 

Wohin die biologische Zweckmäßigkeit dieses Vorganges ein- 
gestellt ist, wird am besten verständlich, wenn man sich die mit der 
Unterdrückung der homosexuellen Komponente imvermeid- 
lich gegebene Unterdrückung der sexuellen Einfühlung in das 
andere Geschlecht vor Augen stellt. Es ergibt sich dann, daß 
durch diesen,, Verdrängungsvorgang das Erleben 
der sexuellen Situation als einer Gemeinsamkeit, 
einer verbindenden W-elteinwirkung von vorn- 
herein unmöglich gemacht ist, also im sexuellen 
Vorgang eines das andere nur als das Werkzeug 
seiner Befriedigung empfinden kann, gegen dessen 
eigenes sexuelles Tun und Empfinden sich die dem 
eigenen Miterleben — als einem homosexuellen 
Motiv — entgegengerichtete Ver dr ängungs t endenz 
verneinend und fernhaltend einsetzt. Und dies genügt 
fast schon allein zur Erklärung für die grauenerregende Univer- 
salität jener Erscheinung, für die Augus t S trindb erg den 
Ausdruck gefunden hat: „Der Haß der Geschlechter gegeneinander 
ist ohne Namen, ohne Grenzen, ohne Ende." 

Die Unterdrückung und Verdrängung der angeborenen 
homosexuellen Teilkompon ent e — ich nenne dieselbe in 
ihrer u r s p r ü n g 1 i c h e n G e s t a 1 1 , im Gegensatz zu ihrer_ durch 
komplizierte Triebverschränkungen modifizierten und verbildeten 
„sekundären" Erscheinungsform die „primäre" Homo- 
sexualität — erfolgt zunächst einmal durch die ihr entgegen- 
gerichteten Moralsuggestionen der Umgebung. Die Summe aller 
dieser Suggestionen an sich wäre noch eher— als reiner seelischer 
Fremdkörper — einer späteren Ausstoßung fähig. Unendlich er- 
schwert aber sin'd für jeden solchen Eliminierungsversuch die hin- 
zukommenden Triebverschränkungen der homosexu- 
ellen Komponente mit wirklichen Per Versionen, 
vor allem mit dem sadistisch-masochistischen 
Kräftekomplexundmit der Perversion, für welche 
Freud Begriff und Ausdruck der „Analerotik" ge- 
fundenhat. 

Wir wollen hier zuerst die Trieb ve rschr änkung der 
Homosexualität mit der Analerotik — welche aus Grün- 



über Konflikt nnd Beziehung n 

den, die wir sogleich bespreclien werden, nur beim Mann von größerer 
Wichtigkeit ist — besprechen und dann zum Homosexualitäts- 
problem und seinen tiefen Zusammenhängen mit unserem eigent- 
lichen Thema, dem sadistisch-masochistischen Kräftekomplex und 
den Störungen der Beziehung im engeren Sinne zurückkehren. 

Die Entstehung der Analerotik kann man mit der des Maso- 
chismius in eine gewisse Parallele bringen. Man kann sagen, der 
Masochismus ist in erster Linie Resultat und Fixierung der 
Erniedrigung, welche das psychische Moment des Kontakt- 
bedürfnisses erfährt, von der A n a 1 e r o t i k gilt dasselbe in bezug 
auf das physische Moment der Sexualität. Wie die Verschie- 
bung sexueller Energie auf das Gebiet der analen Region und der 
exkrementeilen Funktionen, also nach meiner Terminologie auf ein 
anlagegemäß und seinem Wesen nach nichtsexuelles Ge- 
biet zustande kommt, das wird verständlich, wenn man sich das 
folgende vor Augen stellt. , Das physisch-Sexuelle wird hm Kind, 
soweit es der Umgebung als solches erkennbar, d. h. soweit es eben 
anlagegemäß auf die natürlichen Regionen und Funktionen der 
Sexualität konzentriert ist, mit allen Mitteln unterdrückt und zur 
größtmöglichsten Verdrängung gebracht. Die exkrementellen Funk- 
tionen dagegen lassen sich nicht unterdrücken und nicht verdrän- 
gen, auf diesem Gebiet bedarf das Kind während einer größeren 
Lebensperiode einer Hilfe von selten der Erwachsenen und kommt 
mit ihnen auf diesem Gebiet in eine körperliche Berührung. Das 
sexuelle Kontaktbedürfnis des Kindes, durch die Unterdrüclrang 
von Seiten der Umgebung in Verdrängung begriffen, der Kontrolle 
des Bewußtseins dadurch entzogen und somit der Korrekturmög- 
lichkeit gegenüber Verirrungen beraubt, mit der Suggestion der 
moralischen Verneinung belastet und damit an sich schon im 
Niveau erniedrigt, ist dadurch vorbereitet zur Verschiebung seiner 
sexuellen Energie auf jenes einzige Gebiet, auf welchem die phy- 
sische Berührung mit der Umgebung ermöglicht und gegeben ist, 
auf das Gebiet der Körperpflege und seiner Intimitäten, und so ist 
für das Kind gewissermaßen die Übertragung sexueller Empfin- 
dungen auf das analerotische Gebiet zur Bedingung geworden, unter 
welcher es doch noch irgendeinen physisch-sexuellen Kontakt mit 
der Umgebung, und sei derselbe auch noch so surrogativ, als sol- 
chen erleben kann. Und überdies: vom Unbewußten des Erwach- 
senen her zu dem des Kindes kommt die im Erwachsenen seiner- 
seits bestehende latente Analerotik der korrespondierenden Ent- 
wicklung im Kinde entgegen. 

Die eigentlich folgenschwere Verankerung der Anal- 
erotik in der Homosexualität ist übrigens aus körperlichen 
Gründen natürlich nur beim Mann existent, denn der bleibend 
fixierte, voll entwickelte Ausdruck dieser Verankerimg 
ist selbstverständlich die Päderastie. Wesen der Päder- 
astie ist die Verschmelzung von drei besonderen 
Triebmotiven: Homosexualität an sich, Analerotik 
und symbolische Darstellung des einen Geschlech- 
tes durch das andere.. (Wir werden auf dieses letzte Moment 
noch später in anderem Zusammenhange zu sprechen kommen.) In- 



12 



Otto Groß 



folge dieser besonderen, typisch, symbolisclien, in einer spezi- 
fischen Sexualgeste fixierten Triebverschränkung der Homo- 
sexualität mit der Analerotik beim Mann ist auch bei 
diesem .die Verdrä^ngung der Homosexualität eine 
viel radikalere und intensivere als beim Weib. Soviel 
ich sehe, bat die Homosexualitätsverdrängung auch nur beim Mann 
die besondere Qualität des Ekels. 

Wir kommen nun zu unserem engeren Thema zurück- 
- Wir haben gesagt, daß die Homosexualität ursprüng- 
lich und ihrer Anlage nach nicht nur nichtantago- 
nistisch zurHeterosexualität eingestellt ist, son- 
dern im Gegenteil eine Hilfskomponente derselben 
bedeutet. Wir sehen aber, daß dieser Zustand sich im Verlaufe 
der Veränderungen, welche die Sexualität in ihrer Entwicklungs- 
richtung gestalten, in sein vollkommenes Gegenteil zu verwan- 
deln pflegt. Tatsächlich finden wir der EegeJ nach die hetero- 
sexuelle und homosexuelle Komponente m denk- 
barst scharfem Antagonismus stehend. Es ist nun das 
Problem, wodurch dieser Antagonismus geschaffen wird tmd inwie- 
fern seine Herausbildung mit der des sadistisch-masochistischen 
Gegenkraftpaares in Wechselwirkung verbunden ist. 

Die wertvollste psychologische Definition der Homosexualität, 
die wir bisher besitzen, ist die von W. St ekel. „Die homosexuelle 
Neurose", sagt er in seinem großen Werk über „Onanie und Homo- 
sexualität", „ist eine durch die sadistische Einstellung zum entgegen- 
gesetzten Geschlecht bedingte Flucht zum eigenen Geschlecht . icH 
glaube hinzufügen zu müssen : sadistische odermasochistische 
Einstellung. Wir werden sehen, daß diese Umschaltung notwendig 
wird, wenn Stekels Definition auf die Homosexualität der Frau 
adaptiert werden soll. — 

Wir setzen vorerst den Fall, es sei in der H e t e r o s e x u a 1 i t ä t 
eines Mannes die sadistische Komponente zu intensiver Ausbil- 
dung gelangt. Vorausgesetzt, daß diese Triebrichtung nicht zur ab- 
soluten Beherrschung des ganzen Seelenlebens kommt — daß also 
nicht eine bewußte, komplette Perversion entsteht — so muß der 
Impuls zur Flucht vor dem sadistischen Impuls und zu 
seiner Ü berkompensie r ung durch das Gegenteil zur 
Geltung kommen. Die Flucht vor der Perversion erfolgt nun 
einerseits in der Eichtung auf den Masochismus hm, an- 
derseits aber auch — da wir ja eine heterosexuelle Orientierung 
des Sadismus angenommen haben — in der Richtung auf das h o m o - 
sexuelle Empfinden zu. In diesem Falle wären also Homo- 
sexualität und Masoehismus Strebungsziel Einer Trieb- 
tendenz und Wirkungen Einer Ursache. Es ist darum naheliegend, 
daß zwischen diesen Motiven, der Homosexualität und dem 
Masochismus, eine Triebverschränkung zustande 
kommt, daß also eine m asoehist isch geartete Homosexu- 
al i t ä t sich herausbilden wird. Besonders wenn wie im gegebenen 
Falle noch durch allgemein wirkende, typische Momente ein in- 
nerer Zusammenhang zwischen Homosexualität und 




über Konflikt und Beziehung 13 



Masocliismus hergestellt wird. Wir ■werden solche typische Mo- 
mente später kennen lernen "). 

Oder wir nehmen an, es sei in der Heterosexualität einer 
Frau der Masochi s m u s zu dominierender Intimität gelangt, 
so ist es naheliegend, daß sich als Abwehr gegenüber der eigenen 
Tendenz znr Unterwerfung unter den Mann einerseits eine 
tjberkompensation in Form desWille nszurMacht, bzw. der 
sadistischen Einstellung und andererseits eine 
Flucht in das lesbische Empfinden zur Geltung bringen 
wird. Es ergäbe sich dann eine Triebver schränkung des 
Willens zur Macht mit dem les bischen Empfinden, 
besonders wenn auch hier, wie im oben angenommenen Fall, typische 
psychologische Momente den inneren Zusammenhang der 
beiden Triebkomponente vermitteln. 

Mit anderen Worten handelt es sich darum, welche Komponente 
vom sadistisch-masochistischen Antagonistenkomplex der Regel nach 
mit der Heterosexualität, welche mit der Homosexualität in Verbin- 
dung tritt, unter welchen Voraussetzungen und aus welchen Gründen 
in einem Falle die eine, im anderen Falle die andere Kombination 
zustande kommt. Wir werden sehen, daß diese Kombinationen nicht 
so sehr von den zufälligen individuellen Schicksalen bestimmt wer- 
den, als daß sie sich vielmehr im wesentlichen in zwei typische, 
große Gruppen ordnen. Sie sind typisch verschieden 
fürMannundWeib. 



') Ich gebe als Beispiel des Flüchtens vom lieterosexuellen Sadismus in die Hoino- 
sexualität eine charakteristische Traumanalyse. 

Bei einem Angstneurotiker, den ich vor kurzem zu behandeln Gelegenheit hatte, 
ließ sich der folgende, mehrfach wiederholte Traumtypus erweisen. 

Es handelte sich darum, daß von zwei Träumen einer Nacht — deren Inhalt ja 
nach der Konstatierung P r e u d ' s gesetzmäßig im engsten Zusammenhange steht — ■ 
der eine Trauln heterosexuell-sadistisch und der andere homosexuell orientiert war. 

Ich führe einen solchen Doppeltraum als Beispiel an: 

1. Er geht mit seiner Freundin durch einen Wiesengrund. Die Gegend ist von 
eigenartiger Schönheit, er fühlt sich in seltsamer Weise eins mit der Frau. Er sagt 
zu ihr: Hier ist es wie im Paradies. 

Er bleibt' an einem Wasserlauf zurück, betrachtet die Tiere, welche im Wasser 
sind. Am Rande des Baches sind riesengroße Regenwürmer. 

El' hat auf einmal ein beklomtaenes Gefühl, fühlt eine drückende Einsamkeit. D'o 
Frau ist weit von ihm weggegangen, er geht ihr nach, aber die Stimmung von vorher 
ist nicht mehr da. Sie fangen an, davon zu reden, daß die Zeit drängt, daß sie nicht 
länger mehr hier bleiben können, er fühlt sich allein und gedrückt bei diesem Gespräch. 
Erwachen mit Angst und sexueller .Erregung. 

2. Er sitzt an einem Wirtshaustisch, bei ihm sind junge Leute, er erkennt in ihnen 
seine ehemaligen Couleurbrüder aus der Studentenzeit. Einer von ihnen beugt sich zu 
ihm und küßt ihn auf den Mund. — 

Einfälle zu den Regenwürmern: so große Regenwürmer hat er vor vielen Jahren in 
Brasilien gesehen. Dann: Als ganz kleiner Knabe hatte er die Gewohnheit, wenn er 
spielend in der Erde grub, die Regenwürmer in zwei Teile zu schneiden und sich zu 
freuen, daß beide Teile sich bewegten. Dann, unter lebhafter Angst, eine Reihe sadisti- 
scher Impulse aus frühester Kinderzeit. 

Der übrige Trauminhalt bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Im Zusammen- 
hang sehen wir, wie das Auftauchen des sadistischen Impulsmotivs das Beziehungsgefühl 
zuln Weib durchkreuzt und lebhafte Angst erzeugt, und wie sich der Träumende beim 
Wiedereinschlafen ver dem eigenen sadistischen Moment und damit überhaupt vor der 
Heterosexualität in eine homosexuelle Phantasie geflüchtet hat. — 

Über Homosexualität als Deckung von heterosexuellem Sadislnus überzeugend bei 
W. S t e e k e 1 , Onanie und Homosexualität. 



r> 



14 Otto Groß 



Wir kommen hiei' auf ein Moment zu sprechen, dessen Auf- 
deckung eine der großen Entdeckungen Alfred Adlers bedeutet. 
Wir wissen durch ihn, daß die Begriffe „M a n n" und „W e i b" 
für das Unbewußte, als Abspiegelung der bestehen- 
den Institutionen in Sozietät und Familie, die Be- 
deutung von „überlegen" und „unterliegend" anzu- 
nehmen pflegen. Es wird, als seelischer Nieder- 
schlag der bestehenden Zustände, das gegenseitige 
Verhältnis der G-e sohl echter zu einem Symbol der 
il e r r s c h a f t s - bzw. U n t e r w e r f ti n g s s i t u a t i o n. 

Mit dieser geradezu gesetzmäßigen Festlegung — dem Adler- 
schen Symbolgesetz — ist der typische symbolische Aus- 
druck, die typische fixierte Geste für die beiden Komponenten des 
masochistisch - sadistischen Komplexes von selbst gegeben. Der 
„I c h t r i e b", der Wille z ur Macht und Vergewaltigung, 
der Sadismus verschmilzt und identifiziert sich bei 
beiden Geschlechtern mit dem Leitmotiv „M a n n sein 
wolle n", das Kontakt- und Hingabebedürfnis, die 
Unterwerfungstendenz, der Masochismus — in Ab- 
lösung seiner ursprünglichen Symbolik": Kind sein 
wollen" ■ — mit dem Leitmotiv: „W eib sein wolle n". 

Daraus ergibt sich also : Beim Mann ist die sadistische 
Komponente heterosexuell, die masochistische 
homosexuell orientiert. Beim Weib ist die maso- 
chistische Komponente heterosexuell, die sadis- 
tische oder hier besser gesagt, die auf Erhaltung 
der Persönlichkeit gerichtete aktive Komponente 
homosexuell orientiert. 

Ich hebe hervor, daß es sich hier nur um den dominierenden 
Typus, d. i. um das Geschehen im Unterbewußtsein des Nicht-Per- 
versen handelt. — ■ 

Wenn es der typische notwendig gegebene Ausdruck des Unter- 
werfungsbedürfnisses ist, Weib sein zu wollen, so muß der Maso- 
ehismus des Mannes notwendigerweise zunächst einmal — von der 
Zurückwendung der homosexuell verschränkten Komponente auf 
das andere Geschlecht werden wir später sprechen — seinen homo- 
sexuellen Wesenszug bekennen. Wir können das ganze Gebiet der 
passiven Homosexualität des Mannes, in welchem Grade 
der Ausprägung bzw. der Bewußtseinsbeherrschung sie sich zeigen 
mag, und ebenso im Grunde jeden Masochismus beim Mann 
wohl am besten verstehen als Triebverschränkuug der 
Homosexualität mit der masochistischen Kompo- 
nente. 

Und wenn es der typische notwendige Ausdruck des Ichtriebes 
ist, Mann sein zu wollen, so muß der „Ichtrieb" der Frau 
in jedem Grade seiner Ausbildung, sei es als eigentlicher Sadis- 
mus, als Willen zur Macht oder auch nur als Selbsterhaltungs- 
trieb der Persönlichkeit im engeren Sinne, sich unvermeidlich in 
der Triebverschränkuug mit der Homosexualität 
fixieren. Die homosexuelle Komponente in der Frau spielt ihre 
größte dominirende Rolle als Eealisierung des „Protestes" 



tJber Konflikt und Beziehung 



15 



gegen die der Frau in ihrer gegenwärtigen Situation geschebende 
Unterdrückung, und durch den Protestcharakter gewinnt das 
lesbische Moment seine eigenartige psychologische Charakteristik. 
Es muß hier aber noch einmal betont werden: das lesbische Protest- 
motiv richtet sich nicht nur gegen die Unterdrückung von außen 
her, sondern vor allem auch gegen den Impuls im eigenen Innern, 
dieser Unterdrückung entgegenzukommen, also gegen die eigene 
masochistische, speziell also heterosexuell-masochistische Hingabe- 
tendenz V. 

Wir fassen das Gesagte zusammen. Aus den gro- 
ßen ursprünglichen Trieben, dem K ont aktb e dür f - 
ms — derprimären Sexualität — und dem Trieb zur 
Erhaltung der eigenen Persönlichkeit werden un- 
ter dem Druck der Umgebung, dem Zwang zur An- 
passung als Kontaktbedingung und der Angst vor 
der Einsamkeit die antagonistischen Triebtenden- 
zen zum Durchbrechen der Einsamkeit um den Preis 
der Unterwerfung — der Masochismus — und zum 
Durchsetzen der eigenen Persönlichkeit um den 
Preis des aktiven Erhaltens der eigenen Einsam- 
keit, auch in der Sexualität durch Vergewaltigung 
des Sexualobjektes — der Sadismus. 

So bildet sich also der masochistisch-sadistise he 
Antagonistenkomplex als dominner ender Ausdruck 
des inneren Konfliktes. Durch typische Verschrän- 
kungmit der homosexuellen und heterosexuellen 
Einstellung gewinnen die masochistisch-sadis ti- 
schen Impulse ihre weitere Ausgestaltung in ver- 
schiedenem Sinne. Unter dem Einfluß der bestehen- 
den besonderenLagederFr au, durchwelchefürdas 
Unbewußte die Begriffe Männlichkeit und "Weib- 
lichkeit zu Symbolen eines Herrschaft s- und Unter- 
werfungsverhältnisses werden, gewinnt beim Mann 
das Unterwerfungsbedürfnis, bei der Frau der 
Selbsterhaltungstrieb und Wille zur Macht not- 
wendigerweise seinen symbolischen Ausdruck 
durch das homosexuelle Motiv. Und damit formt 
sich der sadistisch -masochistische Antagonisten-, 
komplex zu zwei für beide Geschlechter verschie- 
denen, typischen Kräftepaaren: beim Mann hetero- 
sexueller Sadismus und passive Homosexualität, 
bei der Frau heterosexueller Masochismus und ak- 
tive Homosexualität. ■ 

Dies ist, so weit ich sehe, die typische Entwicklung des großen 
Antagonistenkomplexes. Es ist wohl selbstverständlich, daß alle 
Bildimgen des Unbewnßten imd der im Unbewpßten verankerten 
Triebe selbst immer wieder Ausgangspunkt noch weiterer, iimwan- 
delnder tmd, wie wir wissen, kompensierender und kontrastierender 

*) Die Psychologie des lesbischen Motives hat ihren Ausdruck hieines Wissens 
zuia erstenmal in Ch. Baudelaire's Gedicht „Lesbos" in einer die ganze Tiefe 
des Problems erfassenden Form gefunden. 



Entwicklung sind. Die Grundeinstellungen beim Mann und Weib, 
die wir zu formulieren versucbt haben, sind wohl als wirkende und 
richtende Faktoren in der Tiefe fixiert, doch schafft die weitere 
Entwicklung des Innenlebens das Auftauchen auch entgegengesetz- 
ter, das äußere Geschehende oftmals beherrschender Erscheinungen. 
Als modifizierende Faktoren wirken vor allem jene, welche im 
einzelnen Falle die Ausbildung manifester, totaler Homo- 
Sexualität bewirken. Welche Momente hier ursächlich m i rage 
kommen — Inzestabwehr, spezielle Überkompensationen —, liegt 
nicht in unserem engeren Pragegebiet. Soviel ist ohne weiteres 
verständlich: wo mehr minder das ganze sexuelle Empfinden m das 
Gebiet der Homosexualität hinübergezogen wird, dort ist kein Ein- 
stellungsunterschied zwischen der sadistischen und masochistischen 
Komponente mehr in Wirksamkeit. In Fällen totaler Homosexuali- 
tät ist jede Komponente des Antagonistenkomplexes imbmne der 
dominierenden gerichtet. Wir werden diese Frage noch einmal kurz 

zu berühren haben. , , . • i 

Ferner: Als modifizierende Faktoren der typischen 
Grundeinstellung können besondere, ans dem infantilen Leben 
und den i n f an t i 1 e n Situationen her p e r s i s 1 1 e r e n d e Motive 
wirken. Es scheint, daß eine Anzahlvonlndividuen d u r c h 
eine Art von Entwicklungs ver zogerun g über- 
haupt nicht dazu kommt, das eigentliche große 
Problem des Erwachsenen, die Frage der_ gegen- 
seitigen Beziehung der Geschlechter ^zueinander 
und die Auseinandersetzung mit den Macht- und 
Kampfmotiven zwischen den Geschlechtern über- 
haupt anzuschneiden. Für die unbewußte Orientierung 
solcher Individuen kommt nicht das Macht- und Unter- 
werfungsverhältnis zwischen Mann und Weib, sondern das sou- 
veräne Problem der infantilen Periode, das Machtverhaltnis 
zwischen Kind und Eltern bzw. zwischen Kmd und Mutter 
als persistierend führendes Motiv zur Geltung, in 
solchen Fällen kann, i m W i d e r s p r u c h zu m A d 1 e r s c h e n 
Symbolgesetz, die Mutter bzw. das Weib als Macht- 
und Überlegenheitssymbol fungieren, das Weib 
also zum Objekt der Unterwerf u n gs tende nz en 

^^^Bel^Prauen ergibt solche Persistenz der infantilen Mutter- 
svmbole den lesbischen Masochismus. 

Beim Mann ergibt sich beim Persistieren derselben Sym- 
bolik — der weiblichen Machtsymbolik — als unmittelbares Ke- 
sultat ein heterosexueller Masochismus. Soweit ich sehe, 
scheint mir dieser primäre heterosexuelle Maso- 
chismus — im Gegensatz zur typischen, sekundären 
Form, deren kojmplizierterer Aufbau später besprochen werden 
wird — in einem Teil d e r Fälle s e 1 b s t zu einer s c h w e r e n Per- 
versität gesteigert, im anderen durch eine absolute UberMom- 
pensierung umgekehrt und in totale Absperrung der 
Beziehung zur Frau verwandelt zu werden In diesen 
Fällen wird der als Überkompensierung entwickelte Macnt- 



Üter Jionflikt und Beziehung 



rl7 



Wille dann in das Gebiet der Homosexualität ver- 
sclioben,so daß sich resultierend reine Fälle von aktiver 
(sadistischer) totaler Homosexualität beim Manne 
ergeben. Ich gedenke diesen Problemen in einer späteren Arbeit 
näherzutreten. 

Des weiteren: Wie in dem einen Falle die Nachwirkungen 
aus dem Infantilen modifizierend zur Geltung kommt, so sind 
es im anderen die Eealitäten des Lebens, in das der Er- 
wachsene eintritt, welche als praktische Nötigungen gewissen 
im Unbewußten festgelegten Gefühlsorientierungen entgegenten- 
dieren bzw. auf ihre Überkompensierung hinarbeiten. Als regu- 
läres Geschehen vollzieht sich ein solcher Prozeß 
im typischen Verhältnis von Mann zu Mann. Es ist 
nicht möglich, daß dieses Verhältnis — ich spreche von der all- 
gemeinen Entwicklung, dort, wo die Homosexualität nur als unbe- 
wußter Impuls und latentes Konfliktmotiv fungiert — ausschließ- 
lich _ von der passiven m asoch istischen Einstellung 
diktiert bliebe. Das Persistieren einer solchen Disposition würde 
das betreffende Individuum in seinen Existenzbedingungen derart 
schädigen, es derart zum Unterliegen im Eingen uin den 
Lebensplatz bestimmen, daß es entweder zum Untergang oder 
zur Korrektur durch überkompensierende Momente 
kommen muß. Natürlich spielt sich diese Weiterentwicklung nicht 
mehr in der Form als solcher erkennbarer sexueller Motive ab. 
Vielmehr sind diese Vorgänge recht eigentlich Ge- 
biet der Kämpfe um Macht und Geltung der Persön- 
lichkeit, deren klassisches Bild uns A. Adler ge- 
zeichnethat. — 

Wir kommen auf unser eigentliches Problem zurück: auf die 
Beziehung der Geschlechter zu einander und ihre 
Wechselwirkung mit den großen typischen patho- 
gen en Paktoren, dem sadis tisch- masochis tischen 
Antagonistenkomplex und seinen typischen Ge- 
staltungen bei Mann und Weib. 

Ich sehe bei diesem; Geschehen eine typische Korrektur der 
Homosexualität, die sich wiederum in Form einer Kompromißbil- 
dung vollzieht. Im Laufe der Entwicklung kommt bei der über- 
wiegenden Mehrzahl der Menschen — bei allen, bei denen nicht ganz 
besondere psychische Bedingungen vorliegen, also vor allem be- 
sonders intensive Konflikte mit besonders starken und besonders 
stark unterdrückten inzestuösen Einstellungen heterosexueller Art — 
die von der Anlage her überwiegende Extensität und Intensität des 
heterosexuellen Fühlens zur dominierenden Geltung. Nun steht die 
homosexuelle »Komponente in ihrer anlagegemäßen pri- 
mären Gestalt — das wurde schon gesagt — mit der hetero- 
sexuellen _ in einem keineswegs antagonistischen Verhältnis, sie 
stellt ja im Gegenteil ihrer biologischen Bestimmung nach eine 
Hilfskomponente derselben dar. Allein in ihrer primären 
Form ist die Homosexualität wohl bei keinem In- 
dividuum mehr erhalten, sie ist durch die Trieb verschrän- 
kungen, die w-ir besprochen haben, verändert worden und steht 

Groß. Drei Aufsätze über den inneren Konflikt. 2 




SrrektuTdiesesZustaiides geschieht nunmehr soweit ich 

^ «iff ywpTerlei Art. Es wird entweder die het er o- 

rexue?le Wponi^tetitlr Beibehaltung ihres qualitativen 

Entwicklung erhalten hat, inhaltlich auf das hetero 
sexuelle Objekt gerichtet ). noc + ^Uun- 

Wir haben früher d ie b e iden typischen Gestaltuu 
gen des großen Antagonistenkoinplexos bei beiden 
PTeschlechtern formuliert: Beim Manne iie^ero 
?exueller Sadismus und passive Homosexualität, 
be!m Weib heterosexueller Masochismus und ak- 
tiv ? Homosexualität. Aus diesen Prämissen heraus voll- 
ielt sich die Eückinversion als tbertra^ng d- beiden to- 
sexuellen Komponenten auf das ^^dere Geschlecht Es wir d also 
beim Manne der ursprüngliche homosexueleMaso 

chismus inhaltlieh auf das Weib f e.^^«"\* Y^ ^''^ 
Weib die lesbische Aktivität auf den Mann ;. 

Mit dieser Rück in versio n der homosexuelle^n 

7urück."-ezogen, der innere Konflikt spielt sicü von 
da an i°nnerhalb des heterosexuellen Gebietes ab 
Das große Triebkräftepaar, von dem der innere 

grnfUkt getragen wird, J-^<i-- Vd'en Nicht'per"- 
bildung abgeschlossen und seine für den ^iicütper 
verseS typische, definitive Gestalt erreicht. 

T5pi beiden Geschlechtern sind nunmehr b e i d e Kom- 
pon^enten'^dersadistisch-masochistischen AntagonMenkomplex^^^ 
auf dasselbe Objekt, das heterosexiielle ^^^i ,f ^^V^^^i. 
Mittelbar einander entgegengerichtet, als unmittel 
"are, einander gegenseitig überkompensierende und mitemander 
direkt konkurrierende Gegenkräfte. 

^wn^Fviqtenz und Wesensart der homosexuellen Züge bei heterosexueUeT 01> 

psychologiseh vollendete Novelle von H. -ü- J^ ^ er s. ,,Jjer luu u » 

11 Friedel" (in der Novellensammlung „Die BeBessenen^ Sie M s^^^ 

Seelenle-ben eines Marnies, der sich P/iodisch als Weib «^P^^^astcharakto 

vestierter auftritt, während die ^''.'^«^«"./^^"f " £älSen sex^^^^^^^^^ ^'^- 

lassen, so daß ein „second P.^f.^ ' ^"^^ ^aj "u s we^^^^^^^ p^^^^^ ^^.^^_ 

wähl eine heterosexuelle bleibt. 



1 



über Konflikt und Beziobung 



19 



Und damit sind wir den eigentlichen Problemen unserer Unter- 
suchung nahegekommen. Wir fragen uns: welche Bedeutung 
hat die Her eintr agung der homosexuell gewor- 
denen Kompon enten des großen inner en K onf lik- 
tes für die Beziehung der Geschlechter zueinander? 
Wir müssen zunächst erkennen, daß hier ein Vorgang der 
korrigierenden Ü berko mpftnsation gegeben ist. Der 
auf das heterosexuelle Objekt zurückgewendete 
Masochismus des Mannes wirkt nunmehr seinem 
heterosexuellen Sadismus entgegen und die auf 
den Mann bezogene lesbische Aktivität der Frau 
ihrem heterosexuellen Masochismus. 

Wir haben gesehen: Der Masochismus des Mannes hat die 
Grundtendenz „Frau sein wollen" und die lesbische Aktivität 
der Frau, die Grundbedeutung „Mann sein wollen". In der Her- 
eintragung dieser Komponenten in das gegenseitige 
Verhältnis von Mann und Frau liegt eine Aus- 
gleichtendenz gegenüber der Differenz der Ge- 
schlechter. 

Und diese Ausgleichtendenz hat eine im höch- 
sten Grad teleologische Bedeutung. Wir müssen be- 
denken, da£ die psychischen Typen „Männlichkeit" 
und „Weiblichkeit", so wie wir sie heute kennen, 
ein künstlieh geschaffenes Produkt, ein Resultat 
der Anpassung an bestehende Verhältnisse sind. 
Die heutige Familienordnung bedingt noch immer die Abhängig- 
keit der Frau vom Mann, sie hat den Willen zur Macht in der 
Sexualbezichung des Mannes zur Frau und die Tendenz zur Unter- 
werfung der Frau dem Mann gegenüber zur Grundbedingung und 
schafft damit eine Anpassung beider Geschlechter an die ihnen auf- 
gezwungene Form des gegenseitigen Verhältnisses. Mit anderen 
Worten: Der Sadismus des Mannes und der Maso- 
chismus der Frau werden durch den Druck der be- 
stehenden Verhältnisse und durch die unter diesem 
Druck erfolgende Umbildung des sexuellen Emp- 
findens zu den allgemein charakteristischen Wesens- 
zügen der Typen „Männlichkeit" und „Weiblichkeit", 
so wie wir sie heute kennen. 

Daß die Herausbildung dieser beidenTypendem 
eigentlichen tiefsten Sinn des Individuums und der 
Beziehung, das Ausreifen der eigenen persönlich- 
keitsgemäßen Anlagen und die Erreichung innigen 
gegenseitigen Kontaktes zugleich zu vollenden, ab- 
solut hindernd entgegensteht, ist selbstverständ- 
lich. Daß sie dem angeborenen und unverlierbaren 
Streben der menschlichen Natur gegenüber einen 
ewig störenden Fremdkörper darstellt, beweisen 
die verzweifelten Versuche des Unbewußten zu 
ihrerKorrekturundÜberkompensation. 

Die Einbeziehung des Masochismus beim Manne und der les- 
bischen Aktivität bei der Frau in das gegenseitige Verhält- 

2* 



20 



Otto Groß 



nis - also die Tendenz eines jeden von beiden.Teilen sich mit dein 
anderen GesclüecM zu identifizieren - bedeuten -^^^l^^^f^^'^ 
bung nicht nur nach Ausgleich, sondern auch nach Umkehrung 
des bestehenden Herrschafts- und Unterwerfungsverha tnisses. Sie 
t^eJeif dW, wie alle in Antagonistenhomplexe eingeordneten 

Triebkomponenten, über den ^^ '^^l'' V^./vu äßi A eit 
Sinn die wirkliche biologische ZweckmaUi g Keit 
hinais Das ist ja Wesen und Begriff der Uberkompensation. 

S lesbische iltivität der Frau, auf den Mana iibertragen 
wirkralso iunerhalb der gegenseitigen Beziehung - ^-^«f-^^ 
Art- einerseits als Wille zur Gleichordnung und anderseits als uber- 
komnenslSter hypertrophischer Trieb, darüber hinaus als ,Wille 
ziTMacl ?' Id als antisexueller Protest. Als Wille zur Gleichord- 
n^ng -der Geschlechter ist diese Tendenz der Träger f\^-.f]^}^2e 
ge^der Frau, welche auf geistige Differenzierung und freiheiüicbe 
Entwicklung der gegenseitigen Beziehung gerichtet sind^ In ihre, 
hypertrophischen Form bedeutet sie die stete, von realen Gründen 
unabhängige Angst vor einer Unterwer ungsmoglichl^eit -^^^^^ 
Angst vor der eigenen masochistischen Tendenz — ^inj schiielJt 
damit lltzthin die Möglichkeiten vollkommener unmittelbarer Ge- 

'^t'MrcMSnis des Mannes, auf die Frau übertragen, führt 
einerseTts zu einem Kompromiß mit dem ^-^est der Frau ^awrd 
iu vielen Fällen zum allerdings überkompensierenden Ansdruck ^ 

Antas-onistenkomplex angehörenden Triebes, daß er seinen Anta 
gouSen ;elbst wieder wa!h erhält. Mit anderen Worten^ Die umso 
Phistische Tendenz des Mannes, als ein üb er t r e ib endes , uoer 
t:Si^l.l:^nZ, der (^«-Wechter hinaustreibendes Momen^ er^ 
zeugt einen Gegendruck im eigenen I™ern sie l^^ß^.'^^^^^^^.J^.,';^ 
eigene Hingebungstendenz stets gefährdeten Trieb zur Selbst- 
erhXnnfcht zur Ruhe kommen und bringt im als Impuls der 
übertriebenen Selbstbewahrung, der Abwehr oder Eache, immer 

wieder an die Oberfläche. . j x, tiT^ovVnmnftri- 

Es liegt im Wesen des Korrekturversuches ^urch Uberkomp^n 
sation daß er zuletzt doch immer nur den Kampf der Extreme er 
reben kann und nicht das seelische Gleichgewicht, weder im Innern 
IS TnSums noch in der Beziehung der I-dividuen zuein^^^^^^^^ 
Und dennoch ist in ihm das Beste, das wir haben: das Streben nach 
Beziehung. — 




II. 
über Einsamkeit. 

Im folgenden ist ein populäres „Kosmos" -Eeferat, welclies mir 
eben zur Verfügung- steht, im Wortlaut Wiedergegeben; es bezieht 
sich auf Forschungsergebnisse eines Einderarztes Prof. Ibrahim, 
die mir gerade für unsere Probleme entscheidend scheinen. 

„In einer alten Chronik steht eine seltsame Geschichte. Fried- 
rich II., der romantische Hohenstaufenkaiser, warf die Frage auf, 
in welcher Weise sich Kinder miteinander verständigen würden, 
die niemals ein gesprochenes Wort gehört hätten. Er ließ zur 
Lösung dieser Frage eine Anzahl verwaister Säuglinge von Ammen 
aufziehen mit dem Befehl, sie zwar mit allem bestens zu versorgen, 
aber niemals ein Wort oder eine Liebkosung an sie zu i-ichten. Des 
Kaisers Frage blieb ungelöst; die Kinder starben. Sie konnten, sagt 
der Chronist, nicht leben ohne den Beifall und die Gebärden, die 
freundlichen Mienen und Liebkosungen ihrer Wärterinnen; deshalb 
nennt man die Lieder, die das Weib dem Kinde an der Wiege singt, 
den Ammienzauber. 

An der Wahrheit dieser Geschichte kann man zweifeln; ihre 
Wahrhaftigkeit ist durch die moderne Wissenschaft erwiesen. Ohne 
Liebe kann ein Kind nicht leben. 

Mehr als ehedem müssen in diesen Kriegszeiten Tausende von 
Müttern ihren Berufspfliehten nachgehen und ihre Kinder selbst im 
zartesten Alter fremder Obhut überlassen. Die verwaisten Säug- 
linge aufzunehmen, haben sich zahlreiche Horte, Heime und Krip- 
pen geöffnet.' Die Mehrzahl von ihnen wird einwandfrei geleitet. 
Sie stehen unter ärztlicher Aufsieht, sind mit allen technischen und 
hygienischen Einrichtungen der Säuglingspflege ausgestattet, mit 
Nahrungsmitteln versorgt, von einem geschulten Personal bedient. 
Und dennoch gedeihen, namentlich bei längerem Aufenthalt, die 
Kinder in diesen großen Anstalten nicht annähernd so sicher und 
kräftig wie in mütterlicher Obhut, mag diese auch an Eeichtum der 
Mittel weit hinter jenen zurückstehen. Selbst in der Einzelpflege 
einer fremden Frau, der sogenannten Ziehmutter, ist das Ergebnis 
der Kinderzucht bei sonst einwandfreier Versorgung besser, als es 
bis vor wenigen Jahren in den öffentlichen Anstalten gewesen ist. 
In diesen verfielen die Kinder fast durchweg einem schleichenden 
Siechtum, das man als Hospitalkrankheit, Hospitalismus, bezeich- 
nete und das sich bei längerer Anstaltspflege- im Nachlassen des 
Appetits und damit des Wachstums und im Auftreten von Ver- 




22 ' Otto Groß 



dauuntrsstörtingen und nervösen Erscheinungen wie Unruhe und 
^SosigkeiV Neigung zu Katarrhen und Drüsenerkranku^^ 
äußert Der Hospitalismus war bis vor kurzem die Seuche der baug 
Sgshdme wie einst der Hospitalbrand in den Wundla^aretten und 
d?s Wochenbettfieber in den Gebnrtsanstalten. Alle Verbesserun- 
gen der Pflege, aller Reichtum der Ausstattung alle zeitgemäße Be- 
kämpfung der Ansteckung wurde des unheimlichen Leidens nicht 
S bis die gründliche Erforschung des Ubels^als überraschende 
Ursache fand: Mangel an Liebe! Die Kinder gehen, wie sich einer 
der Tührenden Erforscher des Hospitalismus ausdrückt, an seeli- 
SLm Hungertode zugrunde, der kindliche Instinkt nach Mutter- 
ffebeblS unbefriedigt und das Seelchen stirbt dahin. Die zahl- 
losen psychischen und körperlichen Anregungen zu Essen und Be- 
wgnng, Wachen und Schlaf, die das glückliche Kind m den Armen 
If liebenden Mutter empfängt, das Lächeln und Lieben das S.ngen 
und Wiegen, das Aufgehobenwerden von der Mutter nach dem 
ersteh Wimmerlaut der Nacht und das «üße^Wiederyersinken n 
Träume unter der Flüstermelodie der Hüterm, die Befriedigang, die 
das Kind empfindet, auf den ersten Schrei nach Nahrung zu ge 
wohi^er Stunde an die nährende Brust gelegt zu werden und die halb 
bewußt-unbewußte erste Wollust des D---' -^f f J^ ™m 
Busen der Mutter zu liegen, all diese traumhaften kaum emptun 
denen und doch dem Kinde nötigen Wonnen des ersten Lebens, 
fehlen dem Kinde der Anstalt. Ihm fehlt der Ammenzauber Kum- 
SSfflebt es im Schatten des Schicksals li.f ^-tbehrg^^^^^^^^ 
Der Mensch ist keine Maschine, die man mit Ol und Kohle speist 
nn" mach lem Fahrplan laufen läßt. Ein Pfl^-lein ist das neu- 
o-eborene Kind, das mit Liebe gehegt und gepflegt sein will und das 
Äonnensehein beglückten Blickes und die Wärme des liebenden 

^^"wirSZ schöngeistige ethische Forderung hört e. ^ch an ; 
Naturgesetz ist es, bewiesen durch den wissenschaftlichen Versudi. 

In der Einzelpflege gelingt es fast ohne ^l^^^«^^^|j| ' "^-^t l'^^^t 
ohne Muttermilch hochzuziehen. In Tausenden von Fallen ist diese 
Notwendigkeit eingetreten und überwunden worden Ra;;^^ jan 
dagegen einem Anstaltskind neben der Mutter auch noch dieses 
köftlfchste Gut, das sie dem Kinde nächst dem Leben ^^i spenden 
£tfe Milch die aus dem Borne ihres Busens ihm ziifließt, so 
krankt das Kind nicht nur an Jenem Hunger an L-b^' «-f ™.|^^5^ 
rettungslos zugrunde. Bis vor wenigen Jahren ist es m keinem 
einzigen Fall gelungen, einen Säugling m einer Anstalt mit J^^ema 
Sh allein am Leben zu erhalten. Es gelang -st nachdem man 
in allerneuester Zeit als Ursache des Hospitalismus den Mangel an 
Liebe erkannte und in den Säugiingsanstalten die schemjtis^he 
Massenpflege durch individuelle Einzelwartung ersetzte .™t war 
der Weg zur Überwindung des Hospitalismus ^^^^.^gl^^«^ ™/ eii; 
gemeinen Eeform der Säuglingspflege gewiesen : ^e^«^ J^^-^sta Is- 
Mutter! Ammenzauber in die nüchternen Räume der Anstaits 
Shten und Soxlethkocher ! Je eine Pflegerm -^-» ^r .J- 
schränkte Anzahl von Säuglingen, die sie, wie e^^^^;^^^^^^^^ 
Kinder, in ihren Eigenheiten kennen lernen und dementsprechend 



über Einsamkeit 



23 



individuell liebevoll behandeln muß. Je mehr wir, sagt Professor 
Ibrahim in einer kürzlich gehaltenen akademischen Antritts- 
rede, der die Unterlagen zu diesem Aufsatz entnommen sind, uns 
bewußt bleiben, daß wir im Säuglingsheim den Kindern die Mutter 
ersetzen sollen und je höher wir den Begriff der Mutter einzuschätzen 
gelernt haben, je bessere Erfolge werden wir erzielen, je weniger 
wird schließlich von dem Schreckgespenst des Hospitalismus übrig- 
bleiben. Durch diese Wandlung in der Auffassung über Säuglings- 
pflege, die sich in den letzten 20 Jahren vollzogen hat, sind die 
Heime, die noch im vorigen Jahrhundert mehr Totenstätten denn 
Pflegestätten für das Leben waren, zu Quellen der Säuglingsgesund- 
heit und damit der Volkskraft geworden." 

Der Wert, der den Ergebnissen Ibrahims für unsere 
Probleme zukommt, beruht zu einem großen Teil in der Beweis- 
kraft der vorgeführten Tatsachen für die Richtigkeit psychana- 
lytischer Lehren. 

Vor allem ist durch sie ein Fundamentalsatz S. Freuds be- 
stätigt, der mehr als irgendeiner dem Zweifel und Angriff aus- 
gesetzt gewesen ist: der psychanalytische Lehrsatz von 
der Existenz und vitalen Intensität der Sexualität 
bereits im aller frühesten Kindesalter. 

Sie bestätigen ferner unsere Definition der ersten, ur- 
sprünglichsten, autochthonen Sexualität des Kin- 
des als Trieb nach Kontakt in jedemSinne, im phy- 
sischen wie im psychischen. 

Sie eröffnen uns endlich einen besonders klärenden Einblick in 
die Entstehungs- und Bntwicklungsbedingungen 
der großen Triebverschränkungen und ihrer we- 
sentlichen Bindungen zu Geg^ensatzpaaren der 
souveränen inneren Konflikte in ihren typischen, 
von einem menschheitfassend gemeinsamen Schick- 
sal geprägten Wesenszügen. 

Ich habe mehrfach hervorgehoben, daß mir der Ursprung 
der neurotischen Angst und der pathogenen Kon- 
flikte in der Vereinsamung des Kindes gegeben er- 
scheint. Jetzt, in der Kenntnis des konkreten Tatsachenmaterials 
durch Ibrahim, schauen wir unmittelbar die furchtbare Bedeu- 
tung der infantilen Einsamkeit. Die ganze, wirkliche Verein- 
samung ist für das Kind letal. Die Angst vorder Einsam- 
keit ist echte, begründete Todesangst. 

Die Liebe aber oder doch die Geste des Kontaktes 
erhält das Kind in keinem Fall bedingungslos: das 
absolute kindliche Kontaktbedürfnis wird von der 
Umgebung als Zwangsmittel der Erziehung ver- 
wendet und die Erlösung, von der Einsamkeit, die 
Herstellung des Kontaktes wird an die Bedingung 
des Gehorsams, derAnpassung, des Verzichtes auf 
eigenen Willen und eigene Art gebunden. Das ist der 
konsequente und schreckliche Herrschaftsantritt der Autorität über 
das einzelne Leben. 



! 



Die Absolntheit des Kontaktbedürfnisses im 
Kinde macht die Erfüllung jeder für die Gewährung 
von Kontakt gestellten Bedingung unvermeidlich; 
sie ist identisch mit der Unfähigkeit des Kindes- 
alters zum Widerstand gegen Suggestionen, der 
infantilen Sugges tibilität") und wirkt als Prädis- 
position zum pathogenen inneren Konflikt, der aus 
der Unvereinbarkeit des Wesensfremden mit dem 
Eigenen hervorwächst. An seinem Anfang steht die 
Unwiderstehlichkeit des äußeren Zwanges durch die 

vollkommene Unmöglichkeit des Verzichtens auf 
Liebe. 

So wird im Kinde das Bewußtsein der völligen 
Ohnmacht geschaffen und eine nicht mehr schwin- 
dende Erinnerung daran, daß diese Ohnmacht von 
der Beziehung abhängig war und dem Kontakt- 
bedürfnis der Größe nach proportional. 

Der „Lebensplan" im Sinne Alfred Adlers, nach dem sieh 
die Entwicklung des Neurotikers und des neurotischen Personlich- 
keitsanteiles in jedem Menschen gestaltet, läßt sich nunmehr m 
seinen prinzipiellen Wesenszügen auf einen Ablauf typischer Er- 
innerung und Folgerung im Unbewußten reduzieren. Die Orientie- 
rung des Erwachsenden zum Gegenstand der Liebe überhaupt und 
insbesondere zum anderen Geschlecht konzentriert sich um das 
Sicherungsmotiv: nicht noch einmal, wie damals m der 
Kindheit, die eigene Individualität um der_Bezie- 
hung willen und durch ein Übermaß von eigenem 
Liebesbedürfnis gefährden zu lassen. 

Das Minderwertig keitsgefühl, das solch eSiche- 
rungstendenzen weckt und ho ch p eit seht , ist das 
Bewußtsein des Seelenzust andes , der aus der Ein- 
samkeitsangst des Kindes unmittelbar hervorgeht, 
also derAssoziationvonLiebesbedürfnis und Untej- 

werfungsbereitschaft, als Ohnmacht und Erniedri- 
gung. Mit dieser Selbstwahrnehmung der Entpersönlichung und 
Selbstanpassung als Minderwertigkeit ist eigentlich bereits die- Kor- 
rektur und Überkorrektur begonnen; sie ist die erste m der Beihe der 
„Sicherungen", wie sie Adler zeichnet, und führt im_ weiteren Ab- 
lauf überkompensierender Entwicklung zur Assoziation von 
Liebe und Furcht und weiterhin zur Tr ieb verschr an- 
kung von Liebe und Haß, von Sexualität und Ver- 
gewaltigung. 

Seitdem wir die ans Leben rührende Gewalt der A 1 1 e r n a t i v e 
„Einsamkeit oder Persönlichkeitsopfer" zu ermessen 
in Stand gesetzt sind, vermögen wir die Triebverschrank u n g 
von Liebe und Haß zurückzuführen auf ein psychi- 
sches Trauma, entstanden durch den Geist der be- 
stehenden Ordnung, an Quantität und Extensität 



S. meine Arbeit „Über psychopathische Minderwertigkeiten". 



> . 



J 



über Einsamkeit 



25 



adäquat ihrer alles Empfinden durchsetzenden und 
gestaltenden Allherrschaft, die uns das Elend 
menschlicher Beziehungen, wie wir sie um uns 
herum sehen, fast schon aus kosmischer Polarität 
mann-weiblieher Urprinzipien heraus zu erklären 
verleitet hätte. 

Fragen wir uns zuletzt noch nach prophylaktischen Möglich- 
keiten, so kommen wir zur Forderung eines umgestaltenden neuen 
Erziehungsprinzipes. Dem Kind muß Liebe absolut be- 
dingungslos gegeben werden, befreit von jedem, 
auch nur scheinbaren Zusammenhang mit Forde- 
rungen welcher Art auch immer, als reines Bejahen 

der Individualität um ihres Eigenwertes willen und 
jeder keimenden Eigenart^). 

Daß dieser Forderung, so unaufgebbar sie auch für die Zukunft 

sei, einstweilen keine Hoffnung auf Erfüllung zukommt, ist wohl 

selbstverständlich. Denn sie ist unvereinbar mit dem Prinzip der 

Autorität, in der Familie sowohl als außerhalb. — 

-'Das Drachentöterepos der Sudanneger, die herrliche Dan-auda-Dichtung, zeigt 
einen Knaben der scheinbar durch ein Erziehungsprinzip des absoluten Gewährenlassens 
grotesk verdorben, m Wirklichkeit dadurch vor Einsamkeit und Ohnmacht und Minder- 
wertigkeitsgefühl bewahrt, als Eetter und Befreier berufen wird. — 

Dan-auda-Dichtung s. bei Leo Frobenius „Und Afrika sprach". 



III. ' 

Beitrag zum Problem des Wahnes. 

I6li habe in meiner Arbeit „Konf likt nn d Bezielanng" 
zu zeigen versucM,, daß sich der innere Konflikt, von dem die tunk- 
tionellen Seelenstörnngen ihren Ursprung nehmen, auf den Anta- ■ 
gonismus zweier großer Triebmotive zurückführen laßt, die unter 
dem universell gleichsinnig wirkenden Druck der bestehenden 
Milieuschädlichkeiten ihre unzweckmäßige Ausgestaltung, ihre 
hypertrophische Intensität und ihr gegenseitiges antagonistiscbes 
Verhältnis erlangen: die Unterwerfungstendenz als Verbildungs- 
form des Triebes nach Kontakt und die Vergewaltigungstendenz als 
Verbildungsform des Triebes zur individuellen Selbsterhaltung. Mit 
anderen Worten: den masochis tisch -sadistischen An- 
tagonistenkomplex. • „ , ,. n t^- 

Ich habe weiter zu zeigen versucht, daß auch die sexuelle ii-m- 
stellung zum anderen oder zum gleichen Geschlecht, also die Orien- 
tierung in heterosexueller oder homosexueller Richtung im letzten 
Grunde durch die Triebkomponenten des masochistisch-sadistiscüen 
Komplexes bestimmt und fixiert wird, auf Grund des Alfred Adler- 
schen Gesetzes, daß die Typen Mann und Weib im Unbewußten als 
Symbolik eines Herrschafts- bzw. Unterwerfungsverhaltnisses tun- 
gieren. Daß also die Unterwerfungstendenz sich immer 
auf ein männliches, die Ver g ewal tigungstendenz aut 
ein weibliches Sexualobjekt einstellen muß, unabhängig 
vom e i g e n e n G e s c h 1 e c h t , so daß sich die homosexuelle Orien- 
tierung beim Mann mit der Unterwerfungstendenz, bei der 1 rau 
mit der Vergewaltigungstendenz verbindet, während der mannlicbe 
Sadismus und der weibliche Masochismus — soweit nicht weitere 
Umwandlungen zu sekundärer Umgestaltung fuhren — m der 
heterosexuellen Richtung eingestellt sind. , ^ . , , , 

Ich habe endlich zu zeigen versucht, daß jede Triebkonaponente 
des antagonistischen Komplexes der anderen gegenüber als Uber- 
kompensation verwendet wird, daß jedem solchen Triebmoment die 
Tendenz zur Flucht in ihr Gegenteil innewohnt, daß sich dadurcb 
die antagonistisch zueinandergestellten Triebe gegenseitig erhalten 
und verstärken und daß infolgedessen — mehr oder minder tiet im 
Unbewußten verborgen, mit mehr oder minder dommierender hmt- 
wickelung der einen oder anderen Komponente — m jedem Men-, 
sehen der tvpische Antagonistenkomplex zu finden ist: beim Mami 
heterosexueller Sadismus und passive Homosexualität, beim Weibe 
heterosexueller Masochismus und lesbische Aktivität. 



Beitrag zum Problem des Wahnes 



27 



An dieser Stelle möchte ich die Bedeutung besprechen, welche 
die Komponenten des masochistiseh-sadistischen Antagonistenkom- 
plexes in einigen Fällen von Wahnbildung zu haben scheinen, die 
ich zu sehen Gelegenheit hatte. — 

Das höchste Resultat auf dem Gebiete des genetischen und in- 
haltlichen Verstehns der. funktionellen Psychose überhaupt, wel- 
ches bisher erreicht worden ist, sind die Entdeckungen S. Freuds 
und seines genialen Schülers, S. Ferenczi, über die Per Ver- 
sion als ätiologisches und inhaltliches Wesens- 
momentdesWahnes. 

Wir haben dadurch erfahren, daß sich die Wahnbil- 
dung, in völliger Analogie mit der des Traumes, als 
eine symbolische, der Wirklichkeitskorrektur 
entrückte Wunscherfüllung eines p er ve rsen sexu- 
ellen Triebes vollzieht, der einerseits unüberwind- 
bar intensiv geworden ist und andererseits einem 
so vollkommenen Widerstand von selten des Be- 
wußtseins und der Gesamtpersönlichkeit begegnet, 
daß seine Realisierung durch wirkl ic h es E rieben 
unmöglich ist. — 

Der Fall, den ich zuerst besprechen möchte, erscheint mir der 
Mitteilung vor allem deshalb wert zu sein, weil er mit vielleicht 
einzigartiger Klarheit die Richtigkeit der Fr e ud-Fe renczi - 
sehen Lehre vom Wesen des Wahnes als Realisierung eines ver- 
drängten perversen Triebes illustriert. Im übrigen dürfte der Fall 
insofern eine Erweiterung der Preud-Ferenezischen Entdeckung be- 
deuten, als es sieh nicht, wie in den Mitteilungen dieser Autoren, 
um Homosexualität gehandelt hat, sondern um eine andere Perver- 
sion, nämlich um heterosexuellen Sadismus. 

Der Kranke ist ein Ingenieur A. G., leidend an Paranoia mit 
streng systematischer, auf Sinnestäuschungen und autochthonen 
Ideen aufgebauter Wahnbildung, mit vollkommener Erhaltung der 
Intelligenz. Sprachlicher Ausdruck, Gedankenablauf, Motilität, Be- 
nehmen sind ohne alle Besonderheiten. Der Zustand ist seit Jahren 
stationär. Krisen, Schwankungen, Periodizität sind nicht zu be- 
obachten. 

G. erkrankte in Amerika, wo er in Stellung war, unter Be- 
ziehungswahn und Halluzinationen. Es waren damals in 
Newyork, wo er lebte, mehrere Lustmorde vorgekom- 
men und G. glaubte aus dem Benehmen der Leute und 
aus Gehörshalluzinationen schließen zu müssen, 
daß man ihn dieser Lustmorde bezichtige. 

Er begann sich zu verbergen, wechselte W:ohnung und Arbeits- 
gelegenheit, wagte nicht mehr ins Restaurant zu gehn und wurde 
von Ort zu Ort gehetzt durch die Wahrnehmungen, die er zu machen 
glaubte, daß man ihn überall erkenne, beobachte und davon rede, 
daß er der Lustmörder sei. Er reiste nach Europa zurück, fühlte 
sich im Schiff begleitet und beobachtet. In .Deutschland angekom- 
men, versuchte er beim Weg ins Hotel die Beobachter zu täuschen 
und ihnen zu entkommen. Endlich, in einem obskuren Hotel, glaubte 
er dies erreicht zu haben. Im Innern belauscht, er durch die in den 



^ ^ 



2g Otto Groß 



Nebenraum führende, versperrte Türe seine Zimmernachbarn Er 
fflanbt dabei die Worte zu verstehen: „Da hast du 
einen Stich, da hat der einen Stich", nnd glaubt 
das Fallen von Bluttropfen unterscheiden zu kön- 
nen, a. schießt durch die Türe. _ ^■ f r.+ Aa-n 

Er verbarrikadiert sich sodann in seinem Zimmer, iietert aer 
herbeigeführten Polizei ein Feuergefecht, wird schwer verwundet 
ins Spital und von dort nach der Irrenanstalt gebracht. _ 

In der Anstalt ruhig, entwickelt er auf Befragen in übersicht- 
licher, sehr intelligenter Weise sein Wahnsystem, an dem er nun- 
mehr schon lange ohne Veränderung festhalt. 

Er glaubt sich in telepathischer Yerbindung mit einer Bande , 
von Verfolgern, die er als „Telepathen" bezeichnet und die ihn be- 
seitigen - vor allem: in der Irrenanstalt unschädlich machen 
wollen da er ihre Geheimnisse kennt. Der Direktor der Irren- 
anstalt sei einer der Führer der Telepathen. Er glaubt denselben 
„in veränderter Gestalt" schon früher, auch m Amerika schon ge- 

^""^""g.^ behauptet, die Telepathen haben unter der Irrenanstalt 
Kiatakomben angelegt und treiben dort ihr Wesen. Alles was 
sie dort tun, sprechen, denken und empfinden, er- 
lebt er mit, durch Telep athie. TV/Toe-on«- 

Die Telepathen feiern in den Katakomben „schwarze Messen ^^, 
sie schleppen Frauen hin, ermorden sie „und dabei kommt es ihnen . 

Und auf die Frage, wie er denn dies wissen könne, f ^i^ert;^^: 
„Das ist durch Telepathie, denn wenn es denen kommt, so kommt 

es natürlich auch mir." ' n n •.+ c<ori;-^+ 

Dies aber ist der Schlüssel zu seiner Psychose. G. ist Sadist 
Er realisiert in der Psychose die volle Erfüllung «e^uer unbewußten 
sadistischen Wünsche. In der Psychose plingt^il«^ ^as Ausleben 
der sadistischen Perversion - man denke an Stekels Ausdruck 
„Lust ohne Schuld". Denn die eigene sexuelle Befr^«*llf™\^«V ^.\" 
Lustmordphantasie erklärt sich G. als durch „Telepathie bewirkt 
Der Fall illustriert in souveräner Weise die Wesensgleichheit 
des Wahnes mit dem Traume, den Charakter des Wahnes als 
Wunscherfüllung für verdrängte Triebe und die Richtigkeit von 
Freuds Prinzip vom „Kr ankheits gewinn . 

Wenn wir den Fall auf das Bestehen von antagonistischen, ein- 
ander inhaltlich entgegengesetzten Triebkomponenten untersuchen, 
so sehen wir zunächst nichts anderes vor uns a s remen hetero- 
sexuellen Sadismus, die Angst vor diesem Trieb, die Unmöglichkeit, 
hm zu entfliehen und endlich die wahnhafte WunscherfuUung: 
Zuerst das Moment der Identifizierung mit dem Lustmorder und 
dessen Taten, später die sexuelle Befriedigung beim wahnhaften 
Mitleben halluzinierter Lustmordszenen. m..nM^Tav^^^oh 

Es scheint zunächst, als fehle hier jeder andere Fluchtversuch 
als der in die Psychose. Wir sehen anscheinend nur den Konflikt . 
Sadlimus und einfacher Verdrängungsversuch gegenüber dem 
Sadismus. Es mag dies damit ^^^sammenhangen, daß G.j^ei aller 
Intelligenz eigentlich eine einfache Natur, ohne Veranlagung zur 



Beitrag zum Problem des "Wahnes 



29 



Kompliziertheit ist. Er hat seinen perversen Trieb, solange dies 
möglich war, verdrangt und sich dann in die Psychose geflüchtet. 
^_ Allem beim näheren Zusehen bemerken wir doch ein Symptom 
hinter welchem sich die typische Kompensationstendenz gegenüber 
dem heterosexuellen Sadismus, nämlich der homosexuelle Masochis- 
mus, zu verbergen scheint. Es sind dies die Wahnbildungen in 
seinem- Verhältnis zum Anstaltsdirektor. 

_ Auffallend sind hier zunächst die Erinnerungsfälschungen, den 
Direktor schon früher gesehen zu haben, und der Wahn der 
V e r a n d e r t e n G e s t a 1 1. Wir fragen uns, welche Symbolik hier 
vorliegen kann. 

Die Idee, daß ein Mensch seine äußere Erscheinung verändere 
setzt das Empfinden voraus, daß der Eindruck, den man von ihm 
empfangt ein nicht eindeutig ^bestimmter, ein in irgendeinem Sinne 
wechselnder sei Dieser Wechsel kann begreiflicherweise nicht 
primär m den Wahnerscheinungen als solchen, sondern muß in der 
subjektiven Gefuhlsreaktion gelegen sein. 

Und zwar muß hier ein wichtiges Gefühlsmoment in Fra-e 
stehen, wichtig genug, um eine fixierende Fälschung der Wahr- 
nehmung bzw. der Erinnerung erzeugen zu können. Es drängt uns 
dies zur Annahme, daß eigentlich das sexuelle Gefühl des Fat 
es ist, das m verschiedenen Riclitungen auf den Eindruck der in 
Kede stehenden Persönlichkeit reagiert. Das heißt, daß neben der 
Indittierenz oder Abwehr von selten eines heterosexuellen Empfin- 
dens em homosexuelles Moment zum Durchbruch gelangt 

Ferner: daß G. dem Direktor eine führende EoUe unter seinen 
Verfolgern zuschreibt, erinnert vielfach an das von Freud be- 
schriebene Verhalten des Kranken Schreber seinem Arzt o-et^enüber 
In jenem Fall hat Freud die homosexuelle „Übertragung" vom 
Vater des Patienten auf den Arzt eindeutig nachgewiesen. Die 
homosexuelle Emste ung zum Vater und deren Weiterübertragung 
ist nun wohl zweifellos die klassische Ausdrucksform des homo 
sexuel en Masochismus. Merkwürdig ist auch in unserem Fall die 
Einstellung der uberkompensierenden Abwehr, also eigentlich der 
unterdruckten Homosexualität auf die Persönlichkeit, von der er 
sich am meisten in Abhängigkeit befindet. Es liegt hierin 
ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit, daß es sich im letzten 
Ende um eine — von der Abwehrstellung oberflächlich verdeckte — 
Unterwerfungstendenz handelt, die ja aus den vorhin erwähnten 
Gründen beim Mann zur homosexuellen Orientierung tendieren 

Wir hätten also auch in unserem Falle eine Andeutung des 
typischen Antagonistenkomplexes : heterosexueller Sadismus und • 
homosexueller Masochismus beim Mann. 

Das heißt, auch in G. zeigen sich Spuren des Versuches, aus dem 
Sadismus m die entgegengesetzte, kompensierende Sexualempfinduno- 
zu fluchten, also m die Unterwerfungstendenz, und da diese im Un^ 
bewußten als Einstellung zu einem männlichen Objekt dargestellt 
ist, m die Homosexualität. Jedenfalls aber hat dieser Kompensie- 
rungsversuch nur geringe Ausbildung erfahren und spielt in der 
Psychose eine untergeordnete Rolle. 



„Q Otto Groß 



1:. 



I,' 

H 

i ; 



; ( 



Das dominierendte Motiv der Wahnbildung ist zweifellos der 

heterosexuelle Sadismus, — • .. , , v • „+ ^«^ M^ti-o- 

Der zweite Fall, den ich skizzieren mochte brmgt das ^otiv 
des homosexuellen Masochismus beim Mann an die Oberflaehe der 
Psychose. Er scheint mir insofern mterossant, als sich an ihm d^e 
Ausbildung dieser Perversion im Amtagomstenspiel mit der mr 
entgegengesetzten ziemlich klar erweisen laßt. 

Es handelt sich um einen 33 jährigen Matrosen T., ™ ^^Y^^ 
beruf Werkmeister. Über den Ausbruch der Krankheit habe ich 
leider nichts Genaues erfahren können. 

T. macht bei seiner Einlief erung ins Garnisonsspital den Ein- 
druck eines katatonen Stnpors leichteren Grades, ^r sitzt mit g-e^ 
spanntem, unbeweglichen Gesicht, verändert ^^^^^J «^^^/^^^f^^^^^I 
sehr wen g, gibt auf Fragen kurze, sinngemäße Antworten, sonst 
sehr wortSm Stet« scheint er von inneren Vorgangen abgelenkt, 
manchmal scheint er, dem Mienenspiel nach, zu halluzinieren. 

Nach einigen Tagen wesentlich freier, läßt sich in ein längeres 
Gesnräch ein. Er ist vollkommen orientiert, spricht sinngemäß, zu- 
sammenhängend, aber mit eigenartiger Diktion. Fortwährend kommt 
er auf religiöse Motive zu sprechen, mischt religiöse Wendungen m 
iedes Thema ein. Wenn er länger redet, so wird die Aus- 
drucksweise geheimnisvoll, ziemlich ^^^-«rständlich doch laßt s^c^^ 
immer nachweisen, daß er einen Zusaimnenhang festhalt und mit 
den Worten einen besonderen Smn verbindet. ■ 

Als Beispiel seiner eigentümlichen Ausdrucksweise führe ich 
an- T hat Stücke von seinem Brot zwischen den Händen zer- 
rieben uJd zum Fenster hinausgestreut, befragt, was er da tue 
antwortet er- ,da ist das mit der linken Hand — das muß man 
;-S Ich errJte: ob er die BibelsteUe -me ,,w^^^^ 
soll die Rechte nicht wissen, was die Linke tut? i. beDaM. „wom 
wül jelr erwas für sich zurückbehalten, aber auch die Vogel des 

'''"übS:etletn™";eine Gedanken befragt, gibt T. recht be- 
reitwiU g Snskunft. Er sei ein armer Sünder gewesen, ,gn große 
Schwein", aber die Gnade Gottes habe ihm geholfen. „Nichts steht 

bei uns, alles kommt vom Herrn." 1 1 ^ a irt p m i + 

Er erzählt, daß er als Knabe sexuelle Akte mit , 

Tieren versucht habe, einmal mit einer Kuh einmal 
mit einer Gans. Als großer Junge habe er sexuelle 
Gewaiulte mit ganz kleinen Mädchen begangen 

Dann später sei die Gnade Gottes anf ihn gekommen, so daß er 
Dann spater sei "^^ ^^ ^ j^abe angefangen, „die 

•SLreSieKriaÄ^^^^^^ - lesen, die Bibel, auch über 

^^^^EsTe?^Z^dann einmal geschehen, daß ein Ka--^ ^-^ f; 
wesen sei und Gott habe ihm gegeben, daß er ihm beKen könne, i^r 
habe hinter ihm magnetische Striche in ^er Luft gema^M und der 
K-nTTiPrad sei einiee Tage später gesund gewesen. Das sei nicntsem 
f erXnst, sinS die Gnade Gottes. Man müsse immer an Christus 



denken. 



Etwas spater, als er Matrose war, sei ihm das erstemal Christus 
erschienen. Nach weiteren Halluzinationen befragt, lenkt T. das Ge- 
sprach ab. Vorläufig keine Auskunft darüber zu erlangen. 

Am nächsten Tage wieder ist T. wie unorientiert, reagiert erst 
auf mehrmaliges Ansprechen, dann aber mit großer Freundlichkeit 
wenn auch sehr kurz. Sich selbst überlassen, schaut er mit "•e- 
spanntem, extatischen Gesichtsausdruck zum Fenster hinaus ins 
Leere, sichtlich halluzinierend. Plötzlichwirftersichwort- 
los zu Boden, nimmt eine eigentümliche Stellung an 
so, als ob ihm Hände und Füße gefesselt wären, wälzt 

sich hm und her, küßt dem Personal, das um ihn her- 
umsteht, dieFüße. 

Er setzt dies mit Unterbrechungen stundenlang fort, vollkommen 
mutistisch. Endlich gibt er auf vielfaches Befragen, was er da ge- 
macht habe, Antwort: Das sei eine Buße und ihm so von 
Gottbefohlenworden. Weitere Äußerungen sind nicht mehr 
^\f,:.T^^'^' ^^^^^ später, im Krankenzimmer, als sich ein Patient 
entblößt, wendet T. sein Gesicht mit starrer Miene ab und äußert 
pJotzhch: „das sollte nicht erlaubt sein, das ist eine Erhitzung des 
Blutes, es können unnatürliche Dinge daraus entstehen, zum Schaden 
der kommenden Generation." — 

Es handelt sieh bei T. wohl zweifellos um einen Fall von Schizo- 
phrenie mit religiöser Wahnbildung, 

,Daß der religiöse Wahn — bei einem Mann — eine homosexu- 
elle Symbolik bedeutet, hat Freud im Fall Sehreber wohl end- 
gültig nachgewiesen. Freilich ist die sexuelle Symbolik in der reli- 
giösen Exaltation bei T. nicht so kraß wie bei Schreber. Allein die 
sexuelle Grundnote — besser gesagt: die sexuelle Symbolik — in der 
religiösen Psychopathie bedarf, sobald einmal darauf aufmerksam 
g'emacht worden ist, kaum eines Beweises mehr. Und daß sie bei 
einem Mann homosexuell orientiert sein muß, sobald als männlich ge- 
dachte göttliche Wesen im Vordergrund stehen, ist selbstverständlich. 
Außerdem zeigt die zuletzt erwähnte Äußerung T.s über den 
Patienten, der sich entblößte, wie stark das homosexuelle Motiv in 
seinem Empfinden \ertreten ist. 

Ganz unzweideutig ausgesprochen ist in der Psychose T.s das 
masochistisehe Element. Die Szene, wie er auf Gottes Befehl sich zu 
Boden wirft und Männern die Füße küßt, ist wohl die klassische psy- 
chische Eealisiernng einer homosexuell orientierten masochistischen 
Wunscheinstellung. Man stelle sich diese Situation als Inhalt eines 
Traumes vor, und man wird über den Sinn ihrer Symbolik nicht 
einen Augenblick .zweifelhaft sein. 

Den homosexuellen Masochismus müssen wir also bei T. als die 
der Psychose unmittelbar zugrunde liegende, in ihr realisierte Per- ' 
Version betrachten. 

Die Erzählung des Kranken aus seiner Kindheit zeigt uns nun 
mit besonderer Deutlichkeit das Bestehen auch der entgegengesetzten 
Tendenz. Die sodomitischen und noch mehr die an kleinen Mädchen 
begangenen Akte haben wohl ausgesprochen den Charakter der Ver- 
gewaltigung, es sind in ihren Wesen sadistische Akte. Und dieser 
Sadismus war heterosexuell orientiert. 



32 



Otto Groß 



'•li 



t": 



% 



Aus seinem Sadismus hat sich dann T. voll und ganz in die 
Unterwerfungstendenz geflüchtet: also in den Masochismus und da- 
mit zugleich — • als Mann — in die Homosexualität. Er hat diese 
Tendenz, die in ihm übermächtig wurde, nach Möglichkeit zu ver- 
drängen versucht. Als Kompromißgebilde entstand die pathologische 
Religiosität. Und endlich ist es innerhalb dieses letzten Grebietes zu 
einer wahnhaften Eealisierung des homosexuellen Unterwerfungs- 
bedürfnisses in einer direkten, wunscherfüllenden Form gekommen: 
Gott befiehlt ihm, den Männern seiner Umgebung die Füße zu küssen. 

Ich möchte es aussprechen, daß ich hier als das eigentliche ent- 
scheidende Motiv der ganzen zur Psychose führenden Entwicklung 
nicht die Homosexualität; sondern die Unterwerfungstendenz an sich 
betrachte. Die Homosexualität ist ihre beim Mann symbolisch ge- 
gebene Ausdrucksform. 

Der dritte Fall, von dem ich sprechen möchte, betrifft wieder, 
soweit das für die Erkrankung entscheidende Moment in Frage 
kommt, eine heterosexuelle Perversität, den heterosexuellen Maso- 
chismus einer Frau. 

Es handelt sich um eine Dame von selten hoher, geistiger Ver- 
anlagung, Künstlerin, über deren Leben mir folgendes bekannt ist: 

In ihren Entwicklungsjahren bestand eine ausgesprochene 
masochistische Neigung zu ihrem um vieles älteren Bruder, welcher 
in ihr einen für immer nachhaltigen Eindruck zurückgelassen hat. 
Charakteristisch ist ein Spiel, das er mit seinen kleinen Schwestern 
getrieben hat. Er jagte sie mit einer Peitsche zu eineni Wettlauf 
und küßte dann die, welche als erste wieder bei ihm angekom- 
men war. 

Siebzehnjährig, verließ Patientin das Elternhaus und ging, um 
sich als Künstlerin auszubilden, in eine größere Stadt. Da lernte sie 
eine Freundin kennen, mit der sie durch einundeinhalb Jahre in 
einem lesbischen Verhältnis stand. 

Dann verließ sie die Freundin und ging ein Verhältnis mit einem 
Manne ein. Dieser, ein pathologischer Charakter und ausgesprochen 
gewalttätig, brachte den masochistischen Impuls in ihr wieder an 
die Oberfläche. Doch begann sie an dieser Situation bald zu leiden 
und wandte sich allmählich von jenem ab. 

Sie lernte dann ihren späteren Mann kennen, und dieser, dessen 
Charakter jede masochistische Beziehung der Frau zu ihm vollständig 
unmöglich machte, bot ihr zunächst die Bettung vor sich selbst. 
Nach einigen Jahren aber begann sie zeitweise sich unglücklich zu 
fühlen, ging dann vorübergehend andere Beziehungen ein, die durch- 
wegs als masochistische Erlebnisse zu betrachten waren, kehrte aber 
immer bald zu ihrem Mann zurück. In den Zwischenzeiten war sie 
mit ihm zusammen fast stets sehr glücklich, gedieh in ihrer geisti- 
gen Entwicklung immer mehr. 

Nach mehrjährigem Zusammenleben wieder ein masochisti- 
sches Erlebnis mit einem anderen Mann, das diesmal den Charakter 
einer wirklichen Vergewaltigung gehabt zu haben scheint und ihrem 
inneren Leben die entscheidende Wendung gab. 

Von da an war sie ihrem Mann gegenüber ungleichmäßig bald 
expansiv glücklich, bald ohne äußerlich erkennbaren Grund ver- 



li 



J 



zweifelt, in ihrem Verhalten zu ihm manchmal unverständlich ge- 
reizt. In den letzten Wochen vor dem Ausbruch der Psychose 
Stimmungsschwankungen, welche damals noch als innerhalb der 
physiologischen Breite liegend betrachtet wurden, retrospektiv aber 
als prodromal symptomatische zirkuläre Schwankungen betrachtet 
werden mußten. (Bekanntlich eine relativ häufige Einleitung 
schizophrener Erkrankungen.) 

Nachdem sie durch einige Tage auffallend heiter und etwas, 
ekstatisch gewesen war, folgte des Nachts ein Anfall von Verzweif- 
lung, indem sie ihren Mann beschwor, mit ihr zusammen zu sterben. 
Gregen Morgen Beruhigung. 

Über den Ausbruch der manifesten Psychose, welcher am an- 
deren Tag erfolgte, habe ich das Folgende erfahren. Sie ist schein- 
bar ruhig, freundlich und heiter, läßt sich vom Mann aus einer Zeit- 
schrift vorlesen. Er erzählt ihr von der Thronprätendenz eines aus- 
ländischen Prinzen, welcher seine Jugend als ziemlich gewalttätiger 
Abenteurer verbracht hatte, und sehließt die Bemerkung an, was 
der wohl machen würde, wenn er wirklich zur Eegierung käme. 
Darauf antwortete die Frau ganz unvermittelt: „Dann wird er 
Gott s ein." 

Er sieht, daß ihr Gesicht einen gänzlich fremden Ausdruck 
angenommen hat, sie spricht verwirrt, inhaltlich unverständlich, 
wird ängstlich, läuft plötzlich davon. Er findet sie erst nach Stun- 
den wieder, wie sie im Selbstgespräch auf der Straße sitzt. Er er- 
fährt später, daß sie in einer Weinwirtschaft Briefe geschrieben 
hat und dabei so auffällig geworden sei, daß man ihr aus Besorgnis, 
sie könne sich verletzen, die Feder weggenommen habe. Das Ge- 
schriebene findet sich noch bei ihr, es ist vollkommen unverständ- 
liches Gekritzel. 

In der nächsten Zeit traumhaft abwesend, spricht mehr oder 
weniger verwirrt, meist still, lenkbar, anscheinend schlecht orien- 
tiert und traumhaft halluzinant. Von den Verkennungen der Situa- 
tion ist meist erst nachträglich, in etwas freieren Zuständen, etwas 
Näheres zu erfahren, so z. B. daß sie die Insel, auf der sie wohnten, 
für eine „Toteninsel", das Schiif, auf dem sie zurückfuhren, bzw. 
den Maschinenraum für die Hölle gehalten hat. 

: Oft deprimiert und geängstigt, einmal Versuch, sich zu er- 
tränken. Fürchtet sich vor den Eindrücken der Natur, vor der Vege- 
tation, dieselbe habe eine heimliehe symbolische Bedeutung. Ein- 
mal äußert sie, alles in der Natur sei mit Eiter bedeckt, so wie. sie 
selbst.^ Auf diese Äußerung fixiert, kommt sie darauf zu sprechen, 
daß sie — bei ihrem ersten Zusammensein mit einem Mann — 
gonorrhoisch infiziert worden ist. Sie habe diese Erinnerung wie 
einen Fluch auf sich liegen. (Es ist dies in den ganzen Jahreii das 
erstemal, daß sie sich in diesem Sinne über jene längst abgeheilte 
Krankheit geäußert hat.) 

Zwischendurch still traumhaft, mit abwesendem, oft deutlich 
eknoetischem Gesichtsausdruck. Manchmal bizarre Handlungen. So 
hat sie einmal alle Gegenstände im Hotelzimmer in der seltsamsten 
Weise umgeräumt, gibt nachher an, sie habe dies so tun müssen. 
Einmal, in einem unbewachten Augenblick, setzt sie sich nackt auf 

Groß, Drei Aufsätze über den innerea Konflikt. 3 



34 Otto Groß 



das Penstergesims und grüßt mit traumliaftem Lächeln auf die 
Straße hinunter, dahei still und wie abwesend. 

Einige Wochen später wird sie freundlich, in ruhiger Weise 
mitteilsam, schließt sich nicht mehr von ihrem Manne ab, behält 
aber das fremdartige, deutlich eknoetische Wesen bei. Es ist nun- 
mehr zu einer geordneten, vorläufig stationären Wahnbildung ge- 
kommen. 

Sie glaubt, daß sie bereits gestorben sei und sich mit ihrem 
Mann zusammen im Jenseits befinde. Hier sei „alles gut gewor- 
den". Den Namen des Landes, in dem sie sich aufhalten, hält sie 
für einen symbolischen Ausdruck für Jenseits. Sie verläßt ihre 
Zimmer nie, vermeidet den Blick aus den Fenstern, wo sie ins Land 
hineingehen, sitzt aber stundenlang mit dem Blick auf das Meer. 
Immer still, liebevoll, verträumt, eknoetisch. So blieb der Zustand 
durch Monate ohne Veränderung. 

Dann plötzlich ablehnend, in der Mimik und Bewegungen, wie 
erstarrt. Macht den Eindruck einer kataton Stuporösen. Der Ge- 
sichtsausdruck ist meist hart, manchmal etwas leer. Depressive 
Ausbrüche fehlen. ■ ' 

Jetzt trifft sie mit dem Mann zusammen, mit dem sie das letzte 
masochistische Erlebnis gehabt hatte. Sie beginnt sich zu erholen. 
Lebt dann durch mehrere Wochen mit jenem Mann zusammen. Die 
psychomotorische Starre, der Mutakismus, die Wahnbildung sind 
vollkommen verschwunden. Die Stimmung ist ungleichmäßig, hat 
manchmal etwas Exaltiertes mit einem Unter ton von Angst. 

Nach einigen Wochen bricht sie mit ihm und kommt wieder 
zu ihrem Manne zurück. In den ersten Stunden wieder eine psycho- 
tische Exazerbation, diesmal von ganz anderem Charakter als 
jemals früher. In großer Erregung behauptet sie plötzlich, ihr 
Mann habe ihr vergiftete Zigaretten gegeben. 

Nachher Beruhigung. Gegen Morgen erklärt sie, sie fühle sich 
im Verkehr mit ihrem Mann sexuell vollkommen anästhetisch ge- 
worden. Ausdruck von Verzweiflung, äußert plötzlich, sie sei 
schuld an der Erbsünde in der Welt. Wenige Minuten später be- 
nutzt sie einen Moment, als der Mann sich umgewendet hat, und 
vergiftet sich. — i 

Fragen wir uns zunächst nach der klinischen Eubrizierung 
dieser Psychose, so kann der Gedanke an manisch-depressives Irre- 
sein auftauchen. 

Die Psychose hat sich mit eindeutigen, zirkulären Stimmungs- 
ausschlägen eingeleitet. Dies aber sehen wir oft als Prodrom 
schizophrener Erkrankung und haben darin wohl nur den Ausdruck 
des letzten, vergeblichen Versuches zum Verdrängen des aus dem 
Unbewußten Aufsteigenden zu erblickend. 

Auch die späteren, während der Psychose selbst auftretenden 
Stimmungsschwankungen sind wohl kein irgendwie pathognomo- 
nisches Moment und bei einer, von den übermächtig werdenden 
Gestaltungen des Unbewußten hin- und hergerissenen Psyche ziem- 



'■) Vgl. meine Arbeit über „Das Ideogenitätsmonient Freuds und seine Bedeutung 
im manisoii-depressiven Irresein Kraeppelins", F. "W. Vogel 1907. 



Beitrag zum ProWem des "Wahnes 



35 



lieh selbstverständlich. In der Zeit, in welcher es zur wahnhaften 
Realisierung gekommen war, verschwanden sie und machten einer 
gleichmäßigen, ihre charakteristischen Züge einhaltenden Stim- 
mung Platz. 

Schwieriger ist die Frage, ob es sieh um eine sogenannte hyste- 
rische Psychose oder um Schizophrenie gehandelt hat. Es ist be- 
kannt, daß beginnende Schizophrenie oft so weitgehende Ähnlichkeit 
mit hysterischer Psychose besitzt, daß eine diagnostische Unter- 
scheidung im Anfangsstadium oft eine Unmöglichkeit ist. Ent- 
scheidend ist ja hier nur der weitere Verlauf. 

In unserem Fall haben alle eigentlich psychogenen Stigmata — 
also somatische Konversionen im Sinne Freuds — vollkommen ge- 
fehlt und anderseits hat die erkrankte Dame in der Periode ihrer 
motorischen Erstarrung mit weitgehendem Mutakismus und Ab- 
wehrstellung ein Bild geboten, das wir wohl nur bei Schizophrenie 
zu finden gewohnt sind. Was für Hysterie sprechen konnte, ist 
einzig und allein das Auftreten einer mehr oder minder vollkom- 
menen Remission in eindeutiger Abhängigkeit von einer äußeren 
Einwirkung, einem realen Erlebnis. Wir werden auf dieses Moment 
noch später zurückkommen. 

Befassen wir uns nun mit dem inhaltlichen Moment der Psy- 
chose und mit dem Impulsleben der Erkrankten, so finden wir in der 
Vorgeschichte die früh angesprochene masochistische Einstellung 
m heterosexueller Richtung: die Beziehung zum Bruder. Das hetero- 
sexuell-masochistische Empfinden ist also sehr frühzeitig das domi- 
nierende gewesen. 

Später der typische Versuch zur Überkompensation, die Flucht 
ins Gegenteil: das lesbische Erlebnis. Im Gegensatz zum vorher 
besprochenen Kranken T., bei welchem das kompensierende, homo- 
sexuelle Empfinden, das ausschlaggebend geworden ist, kehrt jene 
Frau nach kurzem wieder zu ihrer früheren Einstellungsart, der 
heterosexuell-masochis tischen, zurück, und diese wird fortan das 
behen-schende Motiv in ihrer Perversion und endlich in ihrer Er- 
krankung. ■ • ! 

Das nächste Erlebnis also ist wieder eii^ heterosexuell-maso- 
ehistisches. Die Frau kämpft mit aller Kraft gegen diesen, ihrem 
eigentlichen Grundcharakter absolut widerstrebenden Impuls, sie 
findet vorübergehend Befreiung in einer Beziehung, welche ihr 
keine Gelegenheit zur masochistischen Selbstentäußerung gewährt. 
Allein sie muß zeitweise immer wieder in den Masochismus zurück- 
kehren und nach einem letzten entscheidenden solchen Erlebnis 
war ihr die Rückkehr in die normale Beziehung innerlich nicht 
mehr gelungen. Sie versucht es mit allen Kräften, allein der 
masochistische Impuls wird übermächtig, und als sie ihn mit aller 
Anspannung zu verdrängen strebt, kommt es zum Ausbruch der Er- 
krankung. 

Charakteristisch, ich möchte sagen, für den Sinn der Psychose, 
scheint mir der erste Ausdruck zu sein, mit dem sie sich kundtat. 
Die Äußerung jener gewalttätige Abenteurer, der zur Macht ge- 
langen soll, würde dann Gott sein, scheint mir kaum einer weiteren 
Erklärung zu bedürfen. Sie ist der herausgeschriene Ausbruch des 

3* 



I 



36 ■ Otto Groß 



Willens zur Uiiterwierfnng- unter die Macht und der Hingabe an 
diese als an etwas Göttliches. 

Weiteren Aufschluß gibt uns dann erst wieder die Periode der 
zeitweilig stationären Wahnbildung. Die Tatsache, daß die bisher 
absolut unreligiöse Frau ihren Wahn auf religiöse Vorstellungen 
aufbaut, scheint uns fast nur des Hinweises aiif den vorher be- 
schriebenen Fall zu ihrer Erklärung zu bedürfen. 

Es handelt sich weiter um die symbolische Bedeutung der 
Idee, tot zu sein. Der Wunsch nach dem Sterben — ich schlage 
-für diese Erscheinung den Ausdruck vor: „Th a nat op hilie" — 
ist für die Erkrankte sehr charakteristisch. Ich erinnere daran, 
daß sich das eklatante Manifestwerden der Psychose mit dem 
Wunsche verbunden hatte, mit dem Mann zusammen zu sterben. 

Ich glaube, daß es sich bei der Thanatophilie überhaupt um die 
Idee der Hingabe an den Tod zu handeln scheint, und daß 
dabei das Motiv des Todes genau dieselbe Rolle spielt, wie im vor- 
her beschriebenen und ähnlichen Fällen religiösen Wahnes die Hin- 
gabe an Gott. 

Es .handelt sich wohl in allererster Linie um das Motiv der 
Hingabe selbst, der Passivität gegenüber etwas Überstarkem, 
des Ausschaltens alles eigenen Widerstandes gegenüber einer frem- 
den Gewalt. 

Insofern also wäre der Inhalt des Wahnes, gestorben zu sein, 
die symbolische Eealiserung der Hingabetendenz als solcher, sym- 
bolisiert durch die Idee des Todes als einer Übermacht, der man 
sich unterworfen hat und wohl auch nait dem Hintergrund der Idee 
von einem göttlichen Wesen, dem man nun überantwortet ist. 

Die ganze Gefühlssphäre, auf welcher Vorbereitung, Ausbruch, 
Eemission und Rezidiv der Psychose aufgebaut sind, die Erleb- 
nisse, welche sie ausgelöst haben, endlich die Symbolik des Wahnes 
selbst — all dies gehört ganz und ausschließlich dem heterosexuel- 
len Masochismus zu. Von einem homosexuellen Moment im Inhalt 
der Psychose und ihrem nachweisbaren Motivenaufbau finden wir 
hier noch weniger als im zuerst beschriebenen Fall. Der Versuch 
zur lesbischen Überkompensierung des heterosexuellen Masochis- 
mus ist zwar im Leben der Frau einmal vorgekommen, hat sieh in 
der Realität betätigt, ist aber dann dem übermächtigen hetero- 
sexuellen Masochismus gegenüber wieder versunken und läßt sieh 
in den weiteren Schicksalen, im Aufbau und im Inhalt der Psychose 
nirgends mehr nachweisen. 

Wir sehen also in diesem Falle mit voller Klarheit, daß der 
Ausbruch der Psychose und die Ausbildung des Wahnes, ohne 
Mitbeteiligung eines homosexuellen Motivs auf das 
Übermächtigwerden' einer anderen Perversion, des M a s o c h i s - 
mus als solchen, zurückzuführen sind. 

Wir kommen nun noch einmal auf die Fragen nach dem klini- 
schen Charakter der letztbesprochenen Erkrankung zurück. 

Wir haben gesehen, daß die Symptome der Psychose in den 
schizophrenen Erkrankungstypus passen, anderseits aber auch, daß 



Beitrag zum Problem des AVahnes 



37 



die Beeinflussung des Krankheitsverlaufes durch ein reales Erleben 
auf einen hysterischen Charakter der Psychose schließen läßt. 

Wenn wir nun versuchen, zwischen Schizophrenie und Hysterie 
einen prinzipiellen, aus den inneren seelischen Bedingungen erwach- 
senden Unterschied aufzustellen — ich selber glaube, daß man, hier 
nur Hatiptgriippen .treünen kann, die fließend ineinander über- 
gehen — so möchte folgendes in Frage kommen. 

Überall dort, wo der Krankheitsgewinn im Sinne Freuds ein 
absoluter ist, d. h. also, wo die Eealisierung des bekämpften 
Wimschmotives nunmehr in der Psychose allein noch möglich er- 
scheint, überall dort kommt es zu einer definitiven Flucht in das 
Irreale, von welcher aus, der Dynamik der Affektgrößen nach, kein 
Rückweg mehr möglieh ist. 

In einem solchen Falle ist alle Möglichkeit, das übermächtige 
Triebmotiv zur Erfüllung zu bringen, außerhalb der Realität ge- 
legen, von realen Erlebnissen kann nichts mehr erhofft tmd von 
solchen auch kein Einfluß auf den Verlauf der Krankheit mehr aus- 
geübt werden. 

Zu den definitiven Psychosen — der Schizophrenie und Para- 
noia — ■ müßte es also in jenen Fällen kommen, in denen nicht nur der 
bekämpfte Trieb, sondern auch die Widerstände, die sich seinem 
Ausleben in der Realität entgegenstellen, absolut geworden sind. 

In jenen Fällen, in denen noch eine letzte Hoffnung, die be- 
kämpfte Perversion in der Realität gewähren zu lassen, im Un- 
bewußten festgehalten wird, kann die Flucht ins Irreale noch 
keine unwiderrufliche, definitive geworden sein. 

In solchen Fällen also werden herantretende Realitäten, welche 
im Sinn des bekämpften Triebes wirken, dem Krankheitsgewinn, der 
in der Psychose gelegen ist, ein entsprechendes Gegengewicht zu 
stellen vermögen. 

Ob es also zu einem definitiven, unheilbaren, von der Realität 
nicht mehr beeinflußbaren Zustand kommt, also zu einer Schizo- 
phrenie oder Paranoia, oder zu einem der Beeinflussung durch eine 
von außen her wirkende Realität zugänglichen und eventuell noch 
heilbaren - - also einer Hysterie — • das scheint abhängig zu sein 
von der Frage, wie weit die Unterdrückung des bekämpften Trie- 
bes, soweit sein Ausleben in der Realität in Frage kommt, eine 
vollständige und damit der durch 'die Flucht in die Psychose der 
Realität gegenüber erzielte Krankheitsgewinn ein absoluter ge- 
worden ist. 

Es ist demnach begreiflich, daß — wie im letztbeschriebenen 
Fall — die psychogenen und schizophrenen Charaktere einer Krank- 
heit ineinander übergehen können. Auch das wird verständlich, 
daß eine Psychose als Hysteriebeginnen und später, wenn die be- 
kämpften Triebe endlich als in der Realität doch nicht verwirklich- 
bar empfunden werden, in eine Schizophrenie sich verwandeln 
kann. — 

Wir haben gesehen, daß in den drei beschriebenen Fällen die 
geistige Erkrankung, resp. Wahnbildung Ausdruck einer der Unter- 



drückung ausgesetzten Komponente des masochistiscli-sadistisclien 
Antagonistenkompleses war. In zwei Fällen war diese hetero- 
sexuell, in einem homosexuell eingestellt. 

Wir haben weiter gesehen, daß sieh in den beschriebenen Fällen 
die ;Einstellungsriehtung auf das eigene oder fremde Geschlecht 
streng nach dem Adler sehen Symbolgesetz richtet. Das Verhält- 
nis zwischen einem die Macht repräsentierenden und einem sich 
unterwerfenden Element ist immer als Verhältnis des männlichen 
und weiblichen Prinzipes dargestellt. Die Unterwerfungstendenz 
findet sich in jedem Fäll beim miännlichen, die Vergewaltigungs- 
tendenz beim weiblichen Objektssymbol, unabhängig vom eigenen 
Geschlecht. 

Infolgedessen ist bei unseren Fällen der Sadismus eines Mannes 
und der Masochismus einer Frau in dem Gebiet der Heterosexuali- 
tät geblieben, der Masochismus eines Mannes hat sich mit der 
Homosexualität kombiniert. Wir können annehmen, daß 
in diesem Fall die Homosexualität eine Konse- 
quenz aus der masochi st ischen Einstellung ist. 

Ich möchte versuchen, diesen Schluß zu verallgemeinern und 
in der Homosexualität überhaupt im letzten Grunde die Funktion 
einer dem_ masochistiseh-sadistischen Antagonistenkomplex ange- 
hörigen Triebkomponente zu vermuten, sowie ich es in der erwähn- 
ten Arbeit „Konflikt und Beziehung" durchzuführen versucht habe. 

Versuchen wir nun die Fälle von WahTibildung, unabhängig 
von der heterosexuellen oder homosexuellen Orientierung, auf die 
grundgebende masochistische oder sadistische Einstellung hin zu 
betrachten, so scheint sieh mir ein Prinzip eruieren zu lassen, das 
eine Wesensunterscheidung zwischen der Paranoia und den zur 
Schizophrenie gehörigen Gruppen ermöglichen könnte und das ich 
hier hypothetisch aufstellen mochte. 

Von unseren drei Fällen gehört der erste, als dessen ausschlag- 
gebende Perversion wir einen auffallend rein entwickelten Sadismus 
gefunden haben, eindeutig der Paranoiagruppe an. Die beiden an- 
deren Fälle, deren Psychose auf Masoehismus aufgebaut ist, ge- 
hören zur Schizophrenie bzw. einem der Schizophrenie verwandten 
Krankheitstypus. 

Ich glaube, daß es sich hier nicht um ein zufälliges Zusammen- 
treffen handelt, sondern daß weitere Untersuchungen einen inneren 
Zusammenhang erweisen werden. 

Dem Willen zur Macht inhärent ist das Bestreben nach Be- 
herrschung der Realität. Wo die Flucht ins Irreale geschehen ist, 
wo die Wahnbildung und die gefälschten Wahrnehmungen das 
Wirklichkeitsbild verändern müssen, da wird der Versuch nicht 
aufgegeben,, die Neueindrücke mit der Eealität und untereinander 
in Verbindung zu bringen. Die logische Geistestätigkeit arbeitet 
fort, sie sucht das scheinbar Geschehende mit der Eealität zu- 
sammenzufassen, sie strebt eine Eealität um sich herum herzustel- 
len, in der man sich orientieren kann. Der Machtwillen sucht auch 
in der Psychose an der Errungenschaft festzuhalten, welche dem 



i 



Beitrag zum Problem des Wahnes 



39 



menschlichen Gekt die Herrschaft über die Umwelt verleiht: an 
der Konzeption ihrer Kontinuität"). 

Dem Masochistischen eigen ist die Tendenz zur Selbsthingabe 
an alles; an die Menschen, an die religiösen Gestalten, an den Tod, 
an die Gebilde aus dem eigenen Unbewußten. 

Dort, wo die masochistische Komponente die bewegende Kraft 
ist, fehlt demnach auch die Beherrschung der Realität. Es wird 
nicht unternommen, die aus dem Unbewußten auftauchenden Wahn- 
ideen, Seheinwahrnehmungen, Stimmungen in einen inneren Zu- 
sammenhang zu bringen, die Kausalität geschlossen zu erhalten und 
eine Wirklichkeit, die sich beherrschen ließe, herzustellen. Es unter- 
bleibt der Versuch der Selbstbehauptung durch das verstandes- 
gemäße Begreifen der Dinge. 

Nichts scheint mir charakteristischer als der extatische Ge- 
sichtsausdruck solcher l&anken, den man sich in die Worte über- 
setzen möchte: „credo, quia absurdum est." 

Beherrscht also der Wille zur Macht, der Sadismus die Ent- 
stehung der Psychose, so kommt es zur Paranoia mit Erhaltung der 
orientierenden, die Umwelt beherrschenden Geistesfunktionen. Ist 
Masochismus das gestaltende Prinzip der Psychosenbildung, so 
kommt es zur Schizophrenie mit Selbstüberlassung an das, was aus 
dem Unbewußten überwältigend aufsteigt und andere Gesetze hat 
als die des Verstandes und des Geschehens in der äußeren Welt. 



^) G. hat in der Irrenanstalt ganze Bände über das Wesen der Telepathie ge- 
schrieben und sich dieselbe naturwissenschaftlich zurechtzulegen versucht. 



A^Marc us & E. Webers Verlag (Dr. jur. A lbert Ahn) in Bonn 

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Mmr^Z^mA'p^^^'^^rf^J^'^'''''?''^' " D"-- ^^^ MAECUSE (BCTlii) _ Prof Dr G 
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wissenschaft zu interessieren und um der Auffassung programmatischen Ausdruck zu 
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Unter Gonochorismus Tersteht der Verfasser den Abstand zwischen dem thely- 
plastischen Sexualtyp oder gemeinverständlich ausgedrückt, die variable Differenz 
zwischen typisch männlichen und typiscli weiblichen seelischen Eigentümlichkeiten. 
(Denn die körperlichen werden als mehr oder minder konstant bezeichnet). Historische 
Betrachtungen fuhren den Verfasser zu dem bedectsamen Schluß, daß das Sinken des 
Gonochorismus, die „sexuelle Applanation" Schritt hält mit anderen sozialen Zer-- 
setznngsprozessen, deren Ursache offenbar eine degenerative Entwicklung ist, und daß 
das steigen und Fallen des Gonochorismus kausale Bedeutung für "Wachstum und 
Verfall der Nationen hat. Von besonderem Interesse ist die Aufstellung des „historischen 
Gesetzes", daß die Lebensfähigkeit einer jeden Demokratie auf ihrem Vermögen, eine 
Aristokratie zu bewahren, beruht. Deutsche med. Presse. 

Die Differenz zwischen den Sexualtypen bezeichnet der Verfasser mit dem Worte 
„Gonochorismus". Nachdem der Verfasser die Frage- aufgeworfen hat, inwieweit der 
Gonochorismus in ursächlichem Zusammenhang mit dem Niedergang der Nationen 
steht, geht er zur Behandlung seines eigentlichen Gegenstandes über und erörtert die 
Frage, wieweit die historische AVisseuschaft uns über einen Wechsel des Standes des 
Gonochorismus Aufschluß gibt. Er bespricht den Wechsel des Gonochorismus bei den 
alten Germanen und Römern wie bei den germanischen Nationen im Mittelalter, ferner 
den Einfluß des Christentums auf diesen Wechsel. Nach der Auffassung des Verfassers 
ist die tieferliegende Ursache für die Wellenbewegung des Gonochorismus darin zu 
suchen, daß die fundamentalen Moralbegriffe und Institutionen in dem Grad das ganze 
Leben der Stämme und Nationen bedingen, daß es für irgendeine Völkerschaft und 
zwar besonders für ein Kultui-volk unmöglich sei, durch eigene Kraft mit ihnen zu 
brechen, olme daß völlige Desorganisation und Auflösung eintreten. 

.... Die tiefgründigen Gedanken des Verfassers dürfen das weiteste Interesse 
beanspruchen. Hyg. Mea.-techn. Zeitschrift. 



Lehrbuch der 
forensischen Psychiatrie 

Von 

Professor Dr. A. Hübner 

Oberarzt der Psychiatrischen und Nervenklinili in Bonn 

Preis einschl. sämtlicher Teuerungszuschläge 
brosch. M. 40.55, geb. M. 43.70 



Nicht bloß die Mediziner im al]g;emeinen und die Psychiater insbesondere, sondern 
auch die Juristen— Eichter sowohl wie Staatsanwälte und Eechtsanwälte— , ferner auch 
Vei-waltungsbeamte und namentlich auch- Leiter von Heilanstalten, Vorsteher von Straf- 
anstalten, sowie überhaupt alle, die an der Erkenntnis und Feststellung von Geistes- 
krankheiten ein Interesse haben, werden aus dem geistvollen, ungemein inhaltsreichen 
Werke Belehrung und für ihre Praxis daiiernden Nuteen schürfen. 

Wirliliclier Geheimer Kricgsrnt Dr. jnr. Koiiien. 

Die Ansehaffiing des Buches kann dem Gerichtsarzt ebenso wie dem Psychiater 
warm empfohlen werden. Gcli. Mcd.-Hat Prof. Puppe-Kiiiiigsberg" i. Pr. 

Zeitschrift für Fsj-diiatric: . . . "Das Hübnersohe Buch bringt trotz seiner Stärke nur 
Notwendiges und "Wissenswertes und dies in klarer und verständlicher Form. Die 
illustrierenden Beispiele aus der Praxis sind knapp, kurz und treffend, die Gesetzes- 
paragraphen und ihre Erläuterungen recht voUständis. 

Berliner klinische Wocheiiscnrift 1014: ... In der Tat dürfte es kaum eine einzige 
Eechtsfrage an den Psychiater geben, die das Hübnersche Buch nicht beantwortet. . . 
Em erschöpfendes Namen- und Sachregister schließen das Hübnersche Buch , dem Eeferent 
den wohlverdienten Erfolg herzlieh wünscht. Das Heft ist ein treffliches Naehsohlage- 
buch auch für den erfahrenen Sachverständigen und kann zugleich für das schwierige 
Gebiet der forensischen Psychiatrie auf das beste vorbereiten. 

Deutsche incdizinlsdie WocIieuscTirift I9I4, Kr. Os Den vielen beamteten Ärzten, wie 
manchem Praktiker, der häufig mit forensisch-psychiatrischen Erao'en befaßt wird, ist 
das Buch sicher als zur Zeit bestes Lehr- und Nachschlagewerk zu emiifehlen. 

Archiv fiir Psychiatrie: . . . Das reich« Material, welches dem "Verfasser zur Ver- 
fugung gestanden hat, ist geschickt verwendet worden: Die Darstellung erfreut durch 
Klarheit und Prägnanz. Das Lehrbuch in seiner Vollständigkeit bildet einen guten Eat- 
geber für alle in das Bereich der forensischen Psychiatrie fallenden Fragen. 

XrzHiche SaeliTcrstHiKligen-Zeitiing 1914, Xr. 8; ... Im Eahmen einer Besprechung 
lassen sich die Einzelheiten eines so groß angelegten Buches nicht würdigen. Mögen 
vorstehende Angaben und Beispiele genügen, um zu zeigen, wie umfassend und doch 
wieder mit welcher selbständigen Vertiefung in wichtige Einzelheiten Hübner sein 
A\ erk ausgestaltet hat, dem ein bedeutender Erfolg vorausgesagt werden kann. 

T ,^ Scimiiats Jalirbiiclicr der gesamten Medizin I0I4. Heft I: ... Zu den bekannten 
■ Lelirbnchern der gerichtlichen Psychiatrie gesellt sich das Hübnersche Buch als ein 
modernes und eigenartiges "Werk hinzu. Es ist selbstverständlich, daß die Hübnersche 
forensische Psychiatrie dem gegenwärtigen Stande der Psychiatrie und gerichtlichen 
Medizm m materieller Hinsicht Rechnung trägt. Was das "Werk aber eigenartig macht 
und es vor seinen den gleichen Titel tragenden Genossen auszeichnet, ist die Tatsache, 
dal} die rechthchen Verhältnisse und Beziehungen, auf welche sich das medizinische 
Gutachten erstrecken soll, in einer erschöpfenden und — wie ich das ausdrücklich 
hervorheben wdl — m keinem anderen Werk über den gleichen Gegenstand so muster- 
gültigen Vollkommenheit abgehandelt sind ... 

. Das Buch ist handlich. Ein ausführliches Register erleichtert die Orientierung. 
Seine Anschaffung kann dem Gerichtsarzt ebenso wie dem Psychiater warm emp- 
fohlen werden. ^ 






t 



A. Marens & E. Webers Verlaj»; (Dr. jur. Albert Ahn) in Bonn 

Die Erhaltung 
der geistigen Gesundheit 

■ Von 

Geh.-Med.-Rat Dr.Th.Rumpf 

Professor der sozialen Medizin an der Universität Bonn 

Preis einschl. sämtlicher Teuerungszuschläge M. 4.30 



;Inhalt: 

A. Die Entwicklung der geistigen Fiiliiglieiten. 

1., Unsere Kenntnisse von den Gehirnprovinzen. -1. Die Entwicklung des Gedächt- 
nisses. 3. Das Bewußtsein. 4. Bewegung und Wille. 

B. Die Mittel znni Schutz der geistigen Gesundheit. 

1. ]?ernhaltung organischer Störungen. 2. Die Erziehung der Jugend, a) höhere 
Schulen. 3. Die Erziehung zum Staatsbürger. 4. Die Einwirkungen des Lehens. 
5. Die Stählung des "Willens, a) Erziehung ztir Pflichterfüllung, b) Erziehung 
zur Lebensfreude, c) Schickung in den Tod. 

C. Zusammenfassende Lebensregeln. 

Yorwort. 

Ein schweres Schicksal lastet aiü dem deutschen Yolk. Unendlichen Verlusten 
an Leben, Gesundheit, Vermögen hat sich ein geistiger Zusammenbruch zugesellt. 
Tafeln, welchen Alter und Gewohnheit ein vielleicht nicht mehr berechtigtes Ansehen 
verliehen, sind zerbrochen. Satzungen, die als wertvolle Erbschaft übernommen 
und betrachtet wurden, sind umstritten. 

Eine geistige Störung, welche seuchenartig um sich greift, droht den Um- 
sturz aller seitherigen Werte. 

Aber wie im XIV. Jahrhundert die Folgen des schwarzen Todes, die Geißler- 
fahrten und Judenverfolgungen mit den anschließenden sittlichen und wirtschaft- 
liehen Schäden überwunden wurden, so dürfen wir hoffen, daß der jetzigen geistigen 
Seuche die Kückkehr zur Genesung folgt, und die in langem menschlichen Entwicklungs- 
gang erkämpften geistigen Schätze wieder volle Geltung erlangen. 

Möge dieses Büchlein, das Vorlesungen an der Universität seine Entstehung ver- 
dankt, dazu beitragen, daß dem deutschen Volk die bedrohte geistige Gesundheit nicht 
verloren geht. 

JAuszüge aus Besprechungen; 

Auf Grund der anatomischen und physiologischen Kenntnisse von der Lokalisation 
einzelner einfacher Funktionen im Gehirn entwickelt der Verfasser seine Anschauung 
über die Entwicklung der geistigen Tätigkeit und des Gedächtnisses. Die Feder. 

.... Wenn nach diesen hier kurz umrisseuen Lebensregeln vorgegangen wird, 
so werden wir uns ein nervenstarkes und nervengesundes Geschlecht erziehen, das mit 
Pflichttreue und Gehorsam vvahre Lebensfreude und höchsten Lebensgenuß verbindet. 

Ilauilinrgischer Correspondent. 

.... Mag man nun über diese seelenkundige Gmndlage denken wie man will, 
jedenfalls kann es nicht bestritten werden, daß die Schrift eine EüUe trefflicher und 
wertvoller pädagogischer Fingerzeige und Anregungen bietet, daß hier ein hervorragender 
Gelehrter das Wort nimmt, der nicht bloß gründliche Fachkenntnisse besitzt, sondern 
auch die wichtigsten Fragen der Jugend- und Volkserziehung gründlich durchdacht 
hat. Das Buch sei hiermit warm empfohlen. Deutsche Lehrerzeitung. 

.... Wenn man sich auch nicht mit allen Ausführungen einverstanden erklären 
kann, so enthält das Buch so viel Wahres und Schönes, daß es jedem zu empfehlen ist, 
der seine Kinder zur Lebensfreude erziehen will. Wiener Journal. 



A. Marcus & E. Webers Verlag (Dr. jiir. Albert Ahn) in Bonn 

Abhandlungen aus dem 
Gebiete der Sexualforschung 

HoraufgTjjcbtu im Auftragi; der 

Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung 

von 
VioS. Dr. BJIOJIAN (Luu(t) — Prof. Br. j\I. UESSOIE (Bürlin) — Wirkl. Gelicimrat Prot'. 
Dr. EKB (Heidelbeifi) — Piot. Dr. P. EAHIjBECK (Lund) — Prof. Dr. HBYMANS 
( (Tronin;;™) — aiiuistcr a. D . Dr. VAN HO l^TEN (HiiaK) — Geh. Med. Eilt Pro f. Dr. JADAS- 
SOHN (Breslau) — Hoftat ProE. Dr. L. v. LIEBEEMANN (Budapest) — (ich. Hotrat 
Prot: K. V. IjTLJENTHAL (Heidelberg) ~ Dr. MAX MAECÜSE (Berlin) — Prof. Dr. <!. 
>IL\(iAZZINl (Eoni) - - Geh. Justizrat l'rof. Dr. AV. JWITTEIÜIAIEK (Gießen) — (4eh. 
Sanitätsrat Dr. ALBEET MOLL (Berlin) — Prof. Dr. W. XEF (St. Gallen) — Geheinn-at 
Prof. Dr. SEEBEEG (Berlin) — Geli. Jlcd.-Eat Prof. Dr. SELLHEIM (Halle) — Prof. 
Dr. STEINACH (Wien) — Prof. Dr. S. R. STEINMETZ (Amsterdam) — Prof. Dr. J. 
TANDIiEK (Wien) - Prof. Dr.A. YIEÜICVXDT (Berlin) — Prof. Dr. L, v. WIESE (Köln) 

Eecligiort von 

Dr. IVIAX MARCUSE, Berlin 

Die ,, AbhandUuiH-en aus doni Gebiete-der .'<e.\ualforsehung-' dienen den gleichen Zwecken 
wie die Zeitsehritt für Sexualwissensclialt ; in ihnen werden Arbeiten veröffentlicht, die 
für die Aufnahme in der Z. f. S. zu umfanyreieh sind. Die ,.Abhandlun{jen'-' erseheinen 
in einzelnen Heften, deren Gesamtnnifan^f innerhalb eines Jahrganfjes (Bandes) etwa 
■-'() Druckbo;;en betrafen wird. Die Mitglieder der «icsellschalt Hu- Sexnalrorscliiing, die 
.VliniiiieiUeii der Zcitsclirilt für Scxnnhvissensclialt sonie die Siibskribcutcii eines •luhrgaiiss 
(April bis Miir/.) erhalten die,,AbliandUinu'eu" zu einem umL'5«'(, ermiiiiigten Vorzugspreise. 

Bisher ersehieneu : 
Heft 1; Wandlungen des Fortpllanzunfis-Gedankens und -Willens 
von Dr. SIAX JMAECÜSE in Berlin 
Einzelpreis: eiii-schl. sämtl. Teueniugszuschliige M. 10.15 
A'orzug-spreis : ., ., Teuerungazuschliiga M. 9.10 

Heft 2: Die Prostiluion bei den gelben Völkern 

von Dr. EENST SGHDLTZE, Privatdozent an der Universität Leipzig 
Einzelpreis: einschl. säuitl. Teueruugszusclüäge M. 5.05 
Vorzugspreis : ., ,, Touerungszusehla'gtj M. 4.55 

Heft ö: Der menschliche Gonochorismus u. die historische Wisscnschall 

von PAUL WINGE 

Einzelpreis: elusclil. sämtl. TeuerungszuschUige M. 4.30 
Vorzugspreis: ,, ., Teuerimgszuschlage M. 8.20 

Heft 4: Der FraueniiberschuH nach Konlessionen 

von E. E. MAY 

Beiträge zum ..Zahlenverhällnisse der Geschlechter" 

von Dr. ADOLF KICKH, Salineiiiirzt in Hall (Tirol) 

Einzelpreis: einsclil. sämtl. Teuerungszuschläge M. 4.;iO 

Vorzugspreis : ., .. Touerungszuschläge M. 3.2(1 

Heft 5: Die Scham 

Beiträge zur Physiologie, Psychologie inid Soziologie des Schamgefülda 
■ von ADOLF GEES(JN 
Einzelpreis: einschl. sämtl. Teuerungszusehläge jVI. 7.20 
Vorzugspreis: „ ., Teuerungszuschläge 3\t. 0.50 

Heft i; : Das Weib als Erpresserin und Anstitterin 

Kriminalpsychologische Studie von Dr. jur. HANS SCHNEIGKEET 
Einzelpreis : einschl. sämtl. Teuerungszuschläge 31. 4.30 
Vorzugspreis: „ ,, Teuerungszuschläge M. 3.20 

II. Band, HeEt 1 : Der Ehebruch 

von Prof. Dr. AVOLEGANG MITTEKMAIEE 
Einzelpreis : einschl. sämtl. Teuerungszusehläge M. 3.35 
Vorzugspreis : „ „ Teuerungszuschläge M. 3. — 

. Als weitere Hefte werden erseheinen : 
Ur. E. Hurwicz, Der Liebes-Doppelselbstmord. — Dr. Max iMarcuse, Die Frucht- 
barkelt der chrlslltch-iüdlschen Mischehe. — Dr. Ad. Eickh, Sexuelle und 
Alkohollrage. — Numa Praetorius. Das Liebesleben Ludwigs XIII. — - Geheimer 
Sanitätsrat Dr. Albert Moll, Behandlung der HomosexualltSI : chemisch oder 

psychisch? 




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